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Sammelt Ratten!

In Berlin-Mitte gibt es ein Rattenproblem findet die FDP, schließlich treiben rund 300.000 Tiere ihr Unwesen. Die Idee des FDP-Vorsitzenden in Berlin-Mitte ist da ganz einfach: die Flaschensammler sollen ihre Köder im Gesundheitsamt besorgen können und dann geht es los. 1€ gibt es für jedes totes Tier.

„Fenster nach draußen“ wurde ein exklusives Geheimdossier mit dem Titel „Rattenjagd als effektive Sozialpolitik“ zu gespielt (Spam-Ordner), nachfolgend soll daraus zitiert werden.

Eine typische Ratte wiegt 250 – 600 Gramm und ist 20 – 26 Zentimer lang (ohne Schwanz), die Breite variabel, angenommen 4 Zentimer, die Höhe angenommen 2 Zentimer. Die Ratte hat also (vereinfacht, als Quader gesehen) ein Volumen von 184 Kubikzentimetern. Eine Bierflasche (0,5 Liter) ist 26 Zentimer lang und besitzt einen Durchmesser von 6,85 Zentimer. Das Volumen einer Bierflasche (vereinfacht, die Flasche als Kegel betrachtet) beträgt also: 318,46 Kubikzentimer.

In eine Ikeatasche mit den Maßen 100 × 65 x 22, Volumen 143.000 Kubizentimer passen also rund 777 Ratten und 450 Bierflaschen. 777 Ratten machen bei einem vorgeschlagenen Preis von 1€ also genau 777 Euro, 450 Bierflaschen 36€. Bei einer angenommenden Rattenanzahl von 300.000 sind dies 386 Ikeataschen allein in Berlin-Mitte. Bei einer angemessenden Möglichkeit zur Reproduktion (alle 21-23 Tage, je acht Ratten pro Wurf) gibt es hier also die Möglichkeit einer angemessenden Beschäftigungspolitik im Niedriglohnsektor.

Es gibt allerdings auch Aufstiegsmöglichkeiten: Mit 1000 Ratten im Monat erhält ein Rattensammler genauso viel, wie eine Halbtagskraft, die mit dem vom DGB geforderten Mindestlohn von 7,50€ entlohnt wird. Diese Perspektiven machen deutlich, dass die Hartz-4 Sätze ohne Probleme auf 3,45€ gekürzt werden können.

Übrigens, wer ein Deja-Vu hat:

Kobraeffekt (…): Der Kobraeffekt beschreibt das Phänomen, dass Maßnahmen, die getroffen werden, um ein bestimmtes Problem zu lösen, dieses auch verschärfen können.(…)

Begriffsgeschichte

Ein britischer Gouverneur wollte einer Kobraplage Einhalt gebieten, indem er ein Kopfgeld auf jedes erlegte Exemplar aussetzte. Scheinbar funktionierte das Konzept zunächst gut: Immer mehr tote Schlangen wurden abgeliefert. Jedoch wurde deren Anzahl nicht gemindert, da die Bevölkerung dazu überging, Kobras zu züchten und zu töten, um weiterhin von der Prämie zu profitieren.

Als das Kopfgeld nach einem gewissen Zeitraum wieder aufgehoben wurde, ließen die Züchter die Tiere frei, da sie keine Verwendung mehr für sie hatten – dadurch hatte sich dank (indirekter) staatlicher Förderung die Zahl der Kobras vervielfacht. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kobraeffekt

Free Gaza!

Bei Ivos Blog „Planet Hop“ gefunden und insgesamt ein lesenswerter Artikel mit einer unkonventionellen Sicht auf den Konflikt um den Gaza-Streifen.

Problem & Lösung

Ich hatte ein Problem: zwar habe ich einen Schreibtisch, auf dem stelle ich aber nicht meinen Laptop ab, sondern nutzte den immer gerade, wo es mir passt, deswegen waren für mich das Anschaffen von Boxen sinnlos. Was ich aber habe, ist eine Stereoanlage mit Audioeingängen.

Gestern hatte ich einen Einfall und noch eine Menge toller Kabel und Adapter: Audio-Kabel, einen Adapter, der Audio-Kabel auf einen Klinkenstecker umsetzt und eine Verlängerung für die Kopfhörerkabel, das hat zwar einen Wackelkontakt beim Übergang zum Audioadapter, aber alles funktioniert, wenn das Kabel liegt. Nach zwei Jahren endlich wieder vernünftig Musik über die Stereoanlage hören und nicht mehr über die Boxen des MacBooks oder Kopfhörer, obwohl das natürlich alles auch ging, aber so ist natürlich schöner. Die Frage ist nur, warum ich nicht vorher drauf gekommen bin, wo das ganze Zeug doch schön verteilt bei mir herum lag – allerdings muss ich auch sagen, dass ich die Kopfhörerverlängerung auch schon fast vergessen hatte und von der Audiokabelexistenz nicht so wirklich was wusste, das war sogar noch eingetütet.

Eine Skizze, weil es so schön ist:

Normalzustand

Schulstreik in Berlin: die Demonstranten strömten in die Humboldt-Universität, nachdem die Polizei gerade dies durch eine Auflösung der Demonstration verhindern wollte. Einige Demonstranten sahen sich dann dazu veranlasst, die Tafeln einer Ausstellung über jüdische Betriebe in der NS-Zeit stark zu beschädigen – zusätzlich sollen auch antisemitische Äußerungen gefallen sein. Dem Bündnis „Bildungsblockaden einreißen“, oder der selbsternannten LSV gelingt es danach nicht, sich von diesen Vollidioten klar zu distanzieren, stattdessen findet man lieber Erklärungs- und Entlastungsmuster. Dabei müssten sie nicht einmal die Besetzung der Humboldt-Uni in Frage stellen.

Ein ziemlicher typischer Tag also.

Eine Korrektur (14.11, 12:36): nach Schreiben dieses Beitrages haben die Organisatoren eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sich von den Taten distanzieren, natürlich nicht, ohne anzumerken, dass die SchülerInnen die eigentlichen Opfer sind, schließlich zwingt sie ja das Schulsystem quasi dazu, randalierend gegen Plakate über jüdische Betriebe in der NS-Zeit vorzugehen. Keinesfalls ist die Orgagruppe davon entbunden, darüber nachzudenken, ob sie nicht die Ablehnung von Antisemitismus, Rassismus usw. hätten von Anfang an herausstellen sollen, um sich solches Personal gleich vom Hals zu halten.

Fifth Period

Leathermouth sind großartig, die 3 Songs, die sie auf MySpace veröffentlicht haben, gefallen mir sehr gut.

Hier ein Video vom Song „Fifth Period“:

„Übelste Ossihetze“

Martin Sonnebron hat einen Film gemacht. Er ist in der Zone in und um Berlin gewandert und hat dabei Menschen getroffen und gefilmt. Während die meisten Zeitungen den Film loben titelt der „Berliner Kurier“: „Übelste Ossihetze: Dieser komische Vogel verspottet Ostdeutsche als Deppen der Nation“. Hört sich nach einem netten Film an, der glücklicherweise auch noch in einem Kino bei mir der Nähe läuft.

Umwelt, zur Zeitüberbrückung

Die schlimmsten Einträge in Blogs sind die, wenn Blogger schreiben, dass sie keine Zeit zum Bloggen haben, ein belangloses Youtube-Video posten und den Lesern dann „Viel Spaß für ein paar Wochen“ wünschen. Ich habe gerade wenig Zeit und wenig Ideen, aber die Leute die das zufällig lesen, können idealerweise bei zwei Sachen ein bisschen aktiv werden:

- ab 10.10 können BrandenburgerInnen auf ihren Meldeämtern für 4 Monate das Volksbegehren „Keine Neuen Tagebaue“ unterschreiben. Deswegen heißt es: Arsch hoch!

- am 08.11 findet die Anti-Castordemo im Wendland statt, danach dann wie immer die Blockaden. Dieses Jahr ist noch wichtiger als all die anderen Jahre ein wirkungsvolles Zeichen zu setzen: ob nun „Versuchsendlagerung“ in Asse2, die „Störungen“ im Betriebsablauf in Krümmel und Brunsbüttel oder der ekelhafte Lobbyismus aus Wirtschaft und Politik für die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken – die Uhr tickt. Atomanlagen abschalten, sofort!

Sonic Youth – Drunken Butterfly

Mir klingt seit langem immer wieder der Refrain dieses großartigen Stückes namens „Drunken Butterfly“ von Sonic Youth in meinem Ohr. Damit sich auch andere anstecken können und sich dann endlich mal das Album „Dirty“ besorgen:

Kurzrezensionen

Atreyu – Suicide Notes & Butterfly Kisses

Rumgegrunze ist sonst nicht mein Fall, aber das inzwischen auch schon fast 6 Jahre alte „Suicide Notes & Butterfly Kisses“ von Atreyu mag ich sehr gerne. Der erste Titel „A Song For The Optimists“ (Video oben) rollt bedrohlich heran und dann geht das Inferno los – und eigentlich auch eines der besten Lieder der CD. Das Problem ist nämlich: alles klingt relativ ähnlich, auf einem Song hilft der Sänger von „Death By Stereo“ aus, zum Ende taucht ein Klavier auf – aber sonst ist es ganz einfache gut und solide Metalcore-Hausmannskost. Ehrlich gesagt habe ich mich mit dieser Band danach nicht weiter beschäftigt, scheint aber laut Wikipedia auch im Zuge des Metalcore-Hypes 2006 ihren Weg in Richtung Majorlabel gemacht zu haben.

Tocotronic – K.O.O.K.

Heute gekauft und damit die Tocotronic-Sammlung endlich vervollständigt. Und wieder kann kaum etwas schlechtes gesagt werden, K.O.O.K. nimmt eine Zwischenstellung zwischen der Schrammelphase bis „Es ist egal, aber“ und der experimentellen Phase ab „Toctronic“ ein und vereint so gutes aus beiden Welten. Neben dem eigentlichen Hits des Albums „Jackpot“ (Video oben) und „Let there be Rock“ noch viele andere großartige Stücke. Kaufen, gibts günstig aufm Grabbeltisch ;)

Pirker schlägt wieder zu

Werner Pirker durfte in Samstag-Ausgabe der „jungen Welt“ einen Kommentar zum „Anti-Islamisierungkongress“ der rechtsextremen Gruppierung „Pro Köln“ schreiben. Da dieser mit „Hilflose Antifa“ übertitelt ist, dürfen natürlich auch die üblichen Pirkner-Zutaten nicht fehlen:

Die Islamfeindschaft ist auch keine Religionskritik. Sie ist die Ideologie des imperialistischen Krieges. Als solche dient sie vor allem der Rechtfertigung der amerikanisch-israelischen Aggression gegen die arabische und muslimische Welt. Deshalb ist die Islamophobie auch jenem Teil der Linken nicht wesensfremd, der meint, sich mit dem zionistischen Projekt solidarisieren zu müssen. Mit der Aufgabe des Antiimperialismus, wie sie Gregor Gysi im Zusammenhang mit seinem Bekenntnis zum Zionismus forderte, wäre die Linke in der westlichen Wertegemeinschaft angekommen. Der Islam erscheint als Gegenbild zum Vorbild der modernen, aufgeklärten, säkularen Gesellschaft. Und die weiße Vorherrschaft als zivilisatorischer Auftrag.

Nur eine Anmerkung: wäre die „Islamfeindschaft“ die Ideologie des „imperalistischen Krieges“ – und wie Pirker ja impliziert, irgendwie ja auch von USA und Israel am massivsten in die Debatte gebracht – warum demonstrieren dann Neonazis gegen die nächste Moschee, generieren sich aber auch andererseits als Ahmadineschad-Fanboys? Vielleicht weil „Bürgerbewegungen“ wie ProKöln, jeder beliege NPD oder DVU-Verein im Kampf gegen die „Islamisierung“ nichts anderes sind, als ordinäre Türkenhasser, die sich der „Islamkritik“ bedienen, weil das irgendwie etwas netter klingt, gleichsam aber deswegen genauso hemungslos nationalistisch und eben auch antisemitisch sein können?

In der Tat ist die plumpe „Islamkritik“ keine Religionskritik, den eine solche hat immer die Emanzipation des Individums von den Verhältnissen im Blick. Gleichsam wäre es auch ein Witz, dem plumpen Anti-Amerikanismus und der tiefsitzenden Israelfeindschaft Pirkners zu unterstellen, noch irgendwas mit politischer Emanzipation zutun zu haben.

Noch eine Anmerkung (10:33): Da jetzt schon angefangen wird, durch abgeschnittene Zitate Kaffeesatz zu lesen, kurz mal ein Erläuterung für all die, die meinen Gedankengängen nicht so recht folgen konnten:

Es geht in dem Beitrag um nichts anderes, als dass Nazis weiterhin dass sind, was sie schon immer waren: Rassisten, Antisemiten, Sexisten… Natürlich sind sie Imperialisten, aber die Hauptideologie in ihrem damaligen wie auch heutigem politischen Handeln ist nicht die “Islamfeindschaft”, sondern vielmehr eben Antisemitismus und Rassismus. Mehr sagt der Beitrag nicht aus und widerspricht da eben Pirker, für denen sich ja alle gegen die arabische Welt verschworen haben.