Archiv der Kategorie 'Revolution'

Free Gaza!

Bei Ivos Blog „Planet Hop“ gefunden und insgesamt ein lesenswerter Artikel mit einer unkonventionellen Sicht auf den Konflikt um den Gaza-Streifen.

Wir singen: GRÜN!-FLÄCHEN!-AMT!

Im Bendlerblock wird gebaut. Deswegen wollte das Verteidigungsministerium das Gelöbnis vor dem Reichstag abhalten. Das Grünflächenamt hat dem widersprochen. Recht so. Wenn Horden von Soldaten den Rasen platt latschen, mit Fackeln rumfuchteln und dann der Bezirk wahrscheinlich noch die Ausbesserung bezahlen muss, muss der Scheiß eben im Bendlerblock stattfinden. Lang lebe das Grünflächenamt!

Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl

Heute findet ja die große Demo anlässlich des 15. Jahrestages der Abschaffung des Grundrechtes auf Asyl statt. Der Aufruf des Bündnis de*fence spricht von einem damaligen Bündnis 100.000er – historisch kaum statthaft und wohl eher dem höheren Mobilisierungseffekt gedient. Auch an anderen Punkten setzt die Kritik „de*fence the Krauts“ der Naturfreundejugend Berlin, JD/JL Brandenburg und einer mir unbekannten „Gruppe Subcutan“ an, die mit dem Zitat

Antinationalismus schließt Bündnisse und Bewegungspolitik keineswegs aus, aber gerade die Ereignisse, an deren Ende die Abschaffung des Asylrechts standen, machen eine leichtfertige Bezugnahme auf die deutsche Bevölkerung unmöglich. Und natürlich bleibt es jenseits unserer Kritik vollkommen richtig und wichtig, die sofortige Wiederherstellung des alten Asylrechts und ein Ende aller rassistischen Sondergesetze und sonstiger administrativer Schikanen zu fordern und durchzusetzen – nicht für ein „besseres“, sondern gegen Deutschland.

endet.

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Recycling

Wenn sich das nähere familäre Umfeld den Spaß macht, das Wohnzimmer für 40 Cent mit drei Deutschlandfahnen und Luftschlangen auszugestalten, um sich über die allergische Reaktion meinerseits zu freuen, muss es auch eine Wiederverwendung für den Tag nach dem Spaß geben.

Der Tag an dem Rudi Dutschke (fast) starb

In der taz diskutiert man heute, ob die Linke einen neuen Dutschke braucht. Während der Artikel von Pedram Shahyar eher belanglos ist, greift Stefan Reinecke dann in seinem Kontra-Artikel ordentlich daneben:

Die andere Seite des Kampfes der Linken gegen den Staat war das etwas blauäugige Vertrauen in Selbstorganisationskräfte der Massen. Nein, nichts gegen soziale Bewegungen, sie sind ein Ferment der Demokratie. Aber eben nur das. Wer dauerhaft sozialen Ausgleich und demokratische Verlässlichkeit will, kommt um Institutionen nicht herum.

Der Nationalstaat ist nicht mehr der Feind, er fällt eher unter die Kategorie bedrohte Spezies. Seine Kompetenzen wurde durch transnationale Organisationen ebenso beschnitten wie durch die seit 1990 enorm gewachsene Macht multinationaler Konzerne. Der antiautoritäre, libertäre Antietatismus der 68er gehört ins Museum. Die Staatsfeinde des 21. Jahrhunderts sind die Neoliberalen. Die Linke muss den Staat und auch supranationale Institutionen nutzen, um der blinden Macht des Marktes Gerechtigkeitspolitik abzutrotzen. Das klingt nach Arbeit, ist es auch.

Sagen wir es einfach so: Rudi Dutschke war wichtig, auch wenn sein anti-zionistischen Weltbild ebenso einer Kritik unterziehen sollte, wie man es bei heutigen Anti-Imps auch tun muss. Seinen Anti-Etatismus, der Wunsch nach Selbstorganisation, sollte auf jeden Fall bewahrt werden. Aber: die Linke braucht keine Führungspersonen. Schon gar nicht solche, die sich positiv auf den (deutschen) Nationalstaat beziehen.

Es braucht keine Linke deren vorderstes Ziel es ist, dem Markt „Gerechtigkeit“ abzutrotzen, in Zeiten, wo der IWF eine Regulierung von Finanzmärkten fordert, sondern eine Linke, die nach den Ursachen fragt. Das die Antwort nun nicht heißen darf, den Staat nur in die „richtigen“ Händen von autoritären „Arbeiterparteien“ zu übertragen, haben ja nun die gescheiterten stalinistischen Systeme des Ostblocks bewiesen und beweisen Typen wie Hugo Chavéz heute wieder. Eine passende Antwort habe ich auch nicht, aber mir scheint das Ziel der Formulierung einer Utopie angesichts weltweit wachsender sozialer und ökologischer Probleme mindestens genauso spannend und wichtig, wie die konkrete Aktion und realpolitische Forderungen gegen allerlei Schlechtigkeiten.

Ein paar Gedanken zum Thema Tierrechte

Anmerkung: Intention dieses Textes ist es nicht, Massentierhaltungen o.ä. zu rechtfertigen. Vielmehr ist auch der Autor der Meinung, das Tieren ein größtmöglicher Schutz zukommen soll. Vielmehr handelt es sich hier um eine grundsätzliche Kritik an der Tierrechtsideologie.

Jeder, der schon mal auf Seminaren rumhockte, kennt das Spiel: „Welches Tier wärst du?“ In der darauffolgenden Runde projezieren die jeweiligen TeilnehmerInnen bestimmte Eigenschaften auf das Verhalten bestimmter Tiere. Die Ameise gilt auf Grund der Sozialstrukturen in ihrem Bau als kollektivistisch, die Katze als individualistisch und eigensinnig oder im negativen Fall faul und hinterhältig. Hier tritt also genau das ein, was gemeinhin „Vermenschlichung“ von Tieren genannt wird. Wir beschreiben Eigenschaften, die wir aus unserem Sozialgefüge kennen, als gemeingültig. Heißt also anders: würden wir die Eigenschaft faul als solche nicht kennen, wir würden ein Tier nicht in diesem Sinne vermenschlichen.

Auf ähnlicher Projektionebene bewegt sich die Frage nach Tierrechten. Menschenrechte, im Wesen definiert durch Egalitiät, Universalität und Unteilbarkeit sind eine Errungenschaft jahrhunderterlanger Kämpfe. Der Mensch musste sich aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreien, wie es Kant formulierte, um diese zu erringen. Die Formulierung der Menschenrechte war also zwingende Voraussetzung für die Formulierung, konkreter benannt die Projektion, des unveräußerlichen Recht jedes menschlichen Individiums, des Menschenrechtes, auf Tiere, also dem Entstehen von Tierrechten. Die Folge ist nun, das BefürworterInnen von Tierrechten versuchen, spezifische Verhaltensweisen des Menschen bei Tieren nachzuweisen, wie z.B. Depressionen um sie so zu vermenschlichen und ihre Projektion rationell zu begründen.

Die Absurdität der Tierrechtsidee wird an einem Beispiel recht deutlich: stellen wir uns vor, Menschen und Tieren würden die gleichen unveräußerlichen Rechte zu stehen. Wir befinden uns in der Savanne, ein Löwe liegt hungrig unter dem Baum. Ein Mensch läuft nun an diesem hungrigen Löwen vorbei. Gemäß der unveräußerlichen Rechten, die nach oben festgestellter Definition von Menschenrechten universell gelten, nehmen wir hier einmal das Recht auf Leben, eine zentrale Forderung der Tierrechtsbewegung, dürfte weder der Mensch den Löwen, noch der Löwe den Menschen töten. Den beide sind Subjekte, für die die gleichen unveräußerlichen Rechte gelten. Der Mensch mag dies als bewusster TierrechtlerIn einzuschätzen und sofern dieser den Löwen nicht tötet, sind die unveräußerlichen Rechte des / der jeweiligen PartnerIn vorläufig gewahrt. Dem Löwen wird all dies indes relativ gleichgültig sein.

Hypothetisch angenommen: er tötet den Mensch, weil ihn der Trieb übermannt. Selbst bei dem Nachweis bestimmter spezifischer menschlicher Verhaltensweisen bei Tieren, werden diese nie im Stande sein, gleichberechtigt (in welcher Richtung auch immer) die Rechte zu nutzen, dafür ist auch völlig irrelevant ob Tiere Schmerzen empfinden oder eine Seele haben. Tiere werden also niemals ein Vergehen an ihnen anklagen können, da sie ihre Rechte nicht kennen, noch sich selbst irgendwo vertreten können. Weiter abstrahiert: vielmehr würden nach Tierrechtsargumentation und deren offensichtliche unmögliche Einlösung durch die Tiere, diese bevorzugt. Denn kein klardenkender Mensch würde auf die Idee kommen, ein Löwen für einen Mord vor ein, wie auch immer geartetes, Gericht zu stellen, eine andere Alternative gibt es nicht, denn wir erinnern uns: selbstjustiziell handeln und töten ist dem Menschen untersagt, sofern er die universellen unveräußerlichen Rechte des Tieres schätzt. Wer also Herrschaftsstrukturen des Menschen über die Tiere durch Tierrechte auflösen möchte, tut dies nicht, sondern ersetzt dieses durch das Herrschaftsverhältnis Tier über den Mensch. Dem Tier steht also Töten eines Artgenossen (ausgehend von der Tierrechtsideologie, bei der Menschen zu menschlichen Tieren mutieren) zu, da es keine Strafmechanismen gibt, die nicht mit seinem unveräußerlichen Rechten brechen würden, während dies bei Menschen nicht der Fall wäre, da dieser zurechnungsfähig ist. TierrechtlerInnen sind also in der Endkonsequenz auf ihre Weise Speziezisten, also jene Menschen, welche TierrechtlerInnen aufgrund ihrer Differenzierung zwischen Mensch und Tier, der Definition des Herrschaftsanspruches des Einen über den Anderen, hier also das Tier, angreifen . Und so befinden wir uns einem in der Tat unauflösbaren Problem: das Verhältnis zwischen Mensch und Tier lässt in keiner der beiden Richtungen regeln, ohne Herrschaftsmechanismen zu erzeugen. Die Frage, die sich nun stellt, ist grundsätzlich nur, welche Art des Speziezismus zu bevorzugen ist.

Kurz also: die aus der Aufklärung entstandenen Menschenrechte haben die Tierrechte ermöglicht, die aber Menschenrechte und Aufklärung grundlegend in Frage stellen. Oder einfacher formuliert: die Vermenschlichung des Tieres durch Großstadtkinder drückt vielmehr die Entfremdung des Menschen vom Tier aus, gleichsam wie das eben die industrielle Massenproduktion von Fleisch auch tut.

Die schönsten Arbeiter_innenlieder (I)

Den Beginn machen die „Schmetterlinge“ mit „Die Frauen der Commune“. Ist zwar für ein Arbeiterlied recht neu (1971) aber doch recht erbauend, in Zeiten von „Autonomen Hereosexuellen Befreiungsfronten“.

Heut´ kühlen alle Küchen aus,
die Frauen bleiben nicht zu Haus
zum Kochen und Schaffen.
Sie ziehen zum Kommunehaus
und fordern: gebt Gewehre aus,
gebt uns Frauen Waffen!
Wie ihre roten Wangen glüh´n beim Barrikadenbauen –
Die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune,
die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune.

Die Frau gehöre unters Dach,
das Kämpfen, das ist Männersach`,
das war die alte Weisheit.
Doch hält die Frau nicht länger still,
sie hat erkannt: wer frei sein will,
muss kämpfen um die Freiheit!
Wie ihre roten Wangen glüh´n beim Barrikadenbauen –
Die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune,
die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune.

via GPA-FSG, dort auch mit Musik

Kiki & Bubu

Großartig.

Reaktionäre Scheiße, gewidmet dem 14.02

Heute ist einer der drei heiligen Feiertage für Floristen, neben Muttertag und Totensonntag, der Valentinstag. Ein Klick auf einen Link bei Inforiot zeigt: „Romantische Zweierbeziehungen“ aka „RZB“ sind reaktionäre Scheiße, denn sie erhalten den Kapitalismus aufrecht und sein ziemlich fieses kapitalistisches Ablenkungsmanöver:

Somit hilft die RZB, das gegenwärtige System aufrecht zu erhalten, sie ist funktional für den Kapitalismus – was nicht heißt, dass es im Sozialismus automatisch anders aussieht. Neben der Reproduktionsarbeit, die innerhalb der RZB geleistet wird, ist die Familie ein nicht zu unterschätzender
Anreiz für die Selbstausbeutung des Hauptverdieners/der Haupverdienerin.

Leute die sowas schreiben, nennen sich GegenBez-Kollektiv und setzten in ihren Texten Fußnoten wie „Ist das ironisch? – Ja“ (PDF). So wirklich lohnts gar nicht, den Abschnitt auseinanderzunehmen nur soviel: das vermeintliche Spezifikum von RZB ist so universal, das es auch auf die Nahrungsaufnahme und selbst auf den Toilettengang angewendet werden kann.

Zwei Erschlagene


Foto: flickr.com / captain kidd

Märtyrer … ? Nein.
Aber Pöbelsbeute.
Sie wagtens. Wie selten ist das heute.
Sie packten zu, und sie setzten sich ein:
sie wollten nicht nur Theoretiker sein.

Er: ein Wirrkopf von mittleren Maßen,
er suchte das Menschenheil in den Straßen.
Armer Kerl: es liegt nicht da.
Er tat das Seine, wie er es sah.
Er wollte die Unterdrückten heben,
er wollte für sie ein menschliches Leben.
Sie haben den Idealisten betrogen,
den Meergott verschlangen die eigenen Wogen.
Sie knackten die Kassen, der Aufruhr tollt –
Armer Kerl, hast du das gewollt?

Sie: der Mann von den zwei beiden.
Ein Leben voll Hatz und Gefängnisleiden.
Hohn und Spott und schwarz-weiße Schikane
und dennoch treu der Fahne, der Fahne!
Und immer wieder: Haft und Gefängnis
und Spitzeljagd und Landratsbedrängnis.
Und immer wieder: Gefängnis und Haft –
Sie hatte die stärkste Manneskraft.

Die Parze des Rinnsteins zerschnitt die Fäden.
Da liegen die beiden am Hotel Eden.
Bestellte Arbeit? Die Bourgeoisie?
So tatkräftig war die gute doch nie …
Wehrlos wurden zwei Menschen erschlagen.

Und es kreischen Geier die Totenklagen:
Gott sei Dank! Vorbei ist die Not!
»Man schlug«, schreibt einer, »die Galizierin tot.«
Wir atmen auf! Hurra Bourgeoisie!
Jetzt spiele dein Spielchen ohne die!

Nicht ohne! Man kann die Körper zerschneiden.
Aber das eine bleibt von den beiden:

Wie man sich selber die Treue hält,
wie man gegen eine feindliche Welt
mit reinem Schilde streiten kann,
das vergißt den beiden kein ehrlicher Mann!
Wir sind, weiß Gott, keine Spartakiden.
Ehre zwei Kämpfern!
Sie ruhen in Frieden!

Kurt Tucholsky, 1919 – via Textlog