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Lieblingsalben: Against The Grain

Bis auf ein Album von 1998 habe ich alle Bad Religion-Alben, und bis auf „Into the Unkown“, auch alles auf CD (das Album von 1985, wo sich die Band so elektrischen Spielereien hingab, kehren sie gerne unter den Tisch, obwohl es so schlecht nicht ist); es handelt sich hier also um eine Band, wo ich auch dem Fantum erlegen bin, ähnlich Tocotronic. Bei Bad Religion fällt es mir aber erheblich schwerer ein Lieblingsalbum zu benennen, einfach aus dem Grund, was es zu einem mit 15 regulären Alben seit 1980 eine ganze Menge gibt und auch verdammt viele gute, insbesondere dann in der Phase ab 1988, die ja bekanntlich mit „Suffer“ begonnen hat.


Bad Religion – Modern Man

Mein Favorit ist aber in der Tat nicht „Suffer“, sondern „Against The Grain“. Warum? Eben weil es den Übergang zwischen den noch stärker vom Hardcore beeinflussten Alben „Suffer“ und „No Control“ zu den dann doch eher getragenderen und melodischen Alben „Generator“ oder „Receipe For Hate“ darstellt (Womit auch das Vorurteil, bei Bad Religion würde sich alles gleich anhören, aus der Welt geschaffen wäre ;) ). Auch textlich ist ein Unterschied zwischen den sehr direkten Angriffen auf die (amerikanische) Gesellschaft zu Suffer-Zeiten und dann ja mit „Generator“ und dem aktuelleren Alben sehr hintergründigen Texten. Das hat mit unter interessante Ergebnisse. „Faith Alone“ eine mit mit 3:40 Minuten für Bad Religion in diesen Zeiten (und heute eigentlich auch) epische Songlänge. „Against The Grain“ und „Anesthesia“ besitzen wohl die eingprägsamsten Gitarrenmelodien, „Qualitiy or Quantity“ ist einfach ein großartiger Punksong und gar „21st Century Digital Boy“ funktioniert im Albumkontext.


Bad Religion – Quality or Quantity

P.S: Für den Bad Religion-“Anfänger“ sei hier auch die Compliation „All Ages“ von 1995 empfohlen, vereint sie doch die besten Bad Religion Songs auf eine CD, auch wenn aus irgendwelchen Gründen leider „American Jesus“ fehlt. Danach am besten sukzessive „Suffer“, „No Control“, „Against The Grain“ und „Generator“ kaufen, beim Gefallen fürs Ruppige „How Could Be Any Worse“ auf CD nachkaufen (das mag ich übrigens auch sehr gerne!), von „Receipe For Hate“ nur die freien MP3s bei Epitaph runterladen, „Stranger Than Fiction“ im Sonderangebot kaufen, von dem restlichen Sonyzeug die Finger lassen und sich dann an den aktuellen Alben „Process of Believe“, „The Empire Strikes First“ und „The New Maps of Hell“ erfreuen.

Verkannte Genies (I)

The Locust – Plague Soundcapes

Sie seien die Lieblingsband vom Kunststudenten meinte einmal das OX-Fanzine, als ein Redakteur ein Konzert von „The Locust“ besuchen. Die Frage lautet nun: warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil es eben nicht alle Tage eine Band gibt, die in grüner Montur auftritt, um Heuschrecken nachzustellen. Und dann eben dieser Sound: Grindcore, mit elektronischen Gefiepe, und zweistimmigen Geschreie. Songtitel, die teilweise länger sind, als die Songs selber („The Half-Eaten Sausage Would Like To See You In His Office“). Dazu kommt ein Coverartwork, auf dem seltsame Viecher eine Stadt zerstören und zombieartige Wesen umherrennen. So mancher Rezensent kapituliert angesichts dieser CD und auch auf der Bandseite des Labels fanden sich Rezensionen wie „When I listen to this my dog takes a crap“. Allein das macht die Band und das mittlerweile nun auch schon 5 Jahre alte Album wert, in die Rubrik „Verkannte Genies“ einsortiert zu werden. Wer dafür einen Beweis braucht, möge sich in dem unterstehenden Video mal die Gitarren- und Drumarbeit besehen und dann über die Instrumentenbeherrschung urteilen.

Große Alben (III)

Lars Frederiksen & The Bastards – s/t

Ich liebe dieses Album. Und ich weiß nicht warum. Letztendlich ist es ziemlich schlichter Punkrock, nichts ist innovativ, oder gar überraschend. Frederiksen covert Mötorhead und Billy Bragg und singt sonst recht viel über sein Leben auf der Straße. Aber der Drummer verdrischt seine Drums, der Gitarrist misshandelt seine Gitarre, und Frederiksen brüllt ins Mikro. So schlicht und so gut kann Punkrock eben auch sein.

Ja, Frederiksen hat einen Schaden. Spätestens als er dann seine dänischen Wurzel herauskramte und dann auf einmal „Viking“ wurde und sich beim nächsten Album – ganz in Prollrockermanier, umgarnt halbnackten Frauen ablichten lies. Eine Platte, wie die Lars Frederiksen lässt ja auch etwas traurig auf Epitaph blicken, ein Label das sich leider inzwischen auf dieses schreckliche Emo-Zeugs verlegt hat. Zumindest, aber so scheint es, geht noch das Unterlabel Hellcat seinen Weg und hat mit The Unseen ja auch mal wieder was ganz ordentliches im Angebot.

Musik für die Welt

Heute war ich CDs kaufen (ja, dieser aussterbenen Spezies gehöre ich an). Mit gebracht habe ich mir: „Reason to believe“ von Pennywise, „Inflikted“ von der „Cavalera Conspiracy“ und „Horizons“ von Parkway Drive. Anschließend Kurzrezensionen:

a.) Pennywise: gutes Punk-Album. Solider Sound wie immer: schnell, politisch und endlich auch wieder mit einer angemessenden Härte. Das hatte man ja angesichts der vorangeganen Alben etwas vermisst. Wer die Band mag, zugreifen.

b.) Cavalera Conspiracy: tolles Thrash-Metalalbum von der, nach langen Streit, wiedervereinten Familie Cavalera. Es groovt und es wird rumgegrunst, wie das halt so erwartet wird.

c.) Parkway Drive: aus Australien und das, was ich bis jetzt gehört habe, ist cool.

Ablage: Anwärter aufs Album des Jahres

Kurz: ich bin begeistert. Es gibt sie noch: deutschsprachige Punkbands, die auf den Punkt spielen, intelligente Texte haben und auch ihre Instrumente in einem Maß bedienen können, das es Spaß macht, ihnen zuzuhören. Hier könnte das Interview über das neue Album „Nächster Halt gefliesster Boden“ von Pascow enden und alles wäre gesagt.

Ergänzung. Eins lässt sich feststellen: Pascow sind aggressiver geworden, das tut ihnen gut – so arbeiten sie die Melodik, die sie ja auch sehr gut können besser hinaus, deswegen wirken dann Songs wie „Coke Zero Zero (For Freedom)“ dann eben so toll. Das Label der Punker-Bravo „Plastic Bomb“ hat mit dieser Veröffentlichung doch ein glückliches Händchen gehabt.

Homepage der Band

Große Alben (II) – Schrei, wenn du brennst

Ein Album, das förmlich nach frühen 90er Jahren riecht. Ziemlich modern war es damals, Zitate aus Filmen in seine Songs mit reinzubasteln, davon machen Muff Potter auch in verträglichen Maßen gebrauch. Ursprünglich ist die Platte gar auf Vinyl erschienen, „im coolen klappcover, plus poster“ wie die 4 Münsteraner im Booklet verlauten lassen.

Es ist das Rohe, das dieses Album ausmacht. Das textlich klare Ausgekotze ist es, was eben gerade „Schrei, wenn du brennst“ zu einem meiner Lieblingsalben macht. Textlicher Nihilismus, mal unterschwelliger oder deutlicherer Protest zusammengepackt mit prägnanten Punkinstrumentation. Ob das nun die Kritik an Sofarevolutionären in „Der Hundescheißetrick“, die Abrechnung mit der deutschen Mittelklasse in „Fernbedient“, die sich zu einem Schlachtruf

Wir sind die schwulen Säue und die dreckigen Zecken / Wir sind geniale Krüppel und ihr am Verrecken

steigert, der deutsche Nationalismus („Zwei Brüder“) oder eben dann doch Alltagsfrust, der in „Kleine Welt“ oder in „Meduzin“ thematisiert wird, ist, immer sind Muff Potter erstaunlich treffsicher. Und nicht vergessen, mit „Sound der Neunziger“ haben sie auch einen Song geschrieben, der in wenigen Minuten die Essenz des Jahrzehnts auf den Punkt bringt:

Die Freizeit wird verwaltet, von cleveren Konzernen / Und Sex ist ein Produkt, doch keine Angst man kann es lernen / in der Bravo und auf dem Disko-Klo / (…) / Hier kommt die Gameboy-Generation / Sehen alle gleich aus, was macht das schon?

Genau die teils unrühmlichen Vertreter dieser Gameboy-Generation ist es ja, die sich jetzt zum Vorsingen bei Dieter Bohlen anstellt – eine späte Rache könnte man meinen.

aber ‚unsere gedanken und unsere ideen, will ich nie in ihren pranken sehen und auf ihren konten sehen‘ – diese zeilen und das ganze lied aus dem sie stammen (…) haben für uns nach wie vor geltung.

Diese Zeilen aus ihrem Booklet wirken angesichts des Deals mit Universal und einigen netten Indieplatten mit wenig Punk und viel Indie-Rock inzwischen doch ungewollt ironisch – und sind aber auch eine Rückerinnerung an Muff Potters spannendere Zeiten.

Billy Bragg – „The Milkman …

… Of Human Kindness“. Großartiges Gitarrenspiel.

This is Hell – „The Polygraph Cheaters“

Mal ganz netter (melodischer) Hardcore aus den USA. In diesem Zusammenhang sei auch noch mal auf das sehr gute Album „The Harmonious Fall“ von der französischen Band „Scarcity“ verwiesen, welches es bei der Plattform Jamendo, bei der Musiker ihre Alben unter einer Creativ-Commons-Lizenz zum Download stellen, zu finden ist.

Die 5 besten Alben

Die besten 5 Alben dieses Jahres, alphabetisches geordnet, denn für eine Platzierung konnte ich mich nicht entscheiden.

Bad Religion – New Maps of Hell

Das Bad Religion kein zweites „Suffer“ oder „Against The Grain“ produzieren würden, war nun (leider) von Anfang an klar. Trotzdem haben die, nun inzwischen auch schon etwas in die Jahre gekommenen Herren, mit „New Maps of Hell“ ein Album produziert, welches immer noch um Längen besser ist, als all das was manche „frische“ Band so abliefert. Und mit „Honest Goodbye“ und „Requiem For Dissent“ sind auch zwei richtige „Hits“ dabei und auch der Rest ist überdurchschnittlich gut, mal einmal abgesehen vom Opener „52 Seconds“.

Bad Religion – The New Dark Ages

Machine Head – The Blackening

Ich hatte Machine Head über die Jahre aus den Augen verloren, das letzte Album der Band, welches ich im Schrank zu stehen habe, stammt immerhin auch schon von 2001. Mit „Supercharger“ hatten sie damals ein Album produziert, was sich ganz gut im heute schon wieder vergessenen Nu-Metal Bereich bewegte (das sie davor Trash-Metal spielten war mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst). Um so überraschter war ich, als ich „The Blackening“ hörte. Kein Rap oder ähnliche Spielereien mehr, sondern ein ordentlicher Doublebasseinsatz, nicht zu wenig Melodie und epische Songlängen. Einzelne Songs herauszustellen täte dem Album unrecht, vor allem deswegen, weil eben alles wunderbar zusammenpasst. Für mich die Überraschung des Jahres.

Machine Head – Aesthetics Of Hate

Tocotronic – Kapitulation

Genauso wie ich Bad Religion-Fan bin, bin ich auch Tocotronic-Fan und so war zu erwarten, dass dieses Album, sollte es nicht totaler Tiefschlag sein, in einer Bestenliste auftauchen würde. Und Tocotronic haben nicht enttäuscht, sie haben ein Album eingespielt, dass wie seine beiden Vorgänger musikalisch und textlich großartig ist. Die besten Songs des Albums sind meines Empfindens nach „Mein Ruin“ und „Verschwör dich gegen dich“, und auch der Rest vom Fest: toll.

Tocotronic – Verschwör dich gegen dich

Turbostaat – Vormann Leiss

Auch bei Turbostaat muss ich gestehen, dass sie mir bisher nur vom Namen bekannt waren. Aber mit „Vormann Leiss“ hat die Band aus Schleswig-Holstein ein Album produziert, dass sowohl vom Gesang als auch von der Instrumentation noch klar deutschsprachiger Punk ist, aber Turbostaat sind anders, besser und textlich sowieso besser als 95% ihre Genre-Kollegen. Auch auf diesem Album findet sich kein Ausfall, das hohe Niveau das zu Beginn u.a. „Mit Frosch hats versaut“ vorgelegt wird, bis zum Ende gehalten.

Turbostaat – Haubentaucherwelpen

The Weakerthans – Reunion Tour

Erst zu Weihnachten bekommen, aber schon hier dabei. The Weakerthans sind eben eine ganz besondere Indieband. Die Kanadier haben ein wunderschön trauriges Album auf CD gepresst. Hier gibt es nichts zu meckern. Auch einzelne Songs herauszuheben wäre mehr als unfair. Und so gilt es für mich, sich nun einmal endlich die Vorgängeralben dieser Band zuzulegen. Solange wird „Reunion Tour“ aber sicherlich noch oft im CD-Player rotieren.

The Weakerthans – Civil Twillight

Voodoo Glow Skulls

Die „Voodoo Glow Skulls“ repräsentier(t)en genau das, was ich an Ska-Punk mag – schnell, hektisch und ein feiner Bläsereinsatz. Inzwischen sind sie etwas langsamer und punkiger geworden, eigentlich schade. Deshalb hier der „Randy Gordo“ vom Album „Firme“ von 1995. Während dessen läuft bei mir gerade der Nachfolger „Band Geek Mafia“. Gute Kollegen hat die Combo sicherlich in der russischen Band „Distemper“ gefunden, die auch schon bereits seit Anfang der 90er Europa unsicher machen. Von ihnen gibt es zwei Alben legal zum Download, da diese unter eine Creative Commons-Lizenz gestellt wurden.