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Straßenumbennungen in Wedding

In der Nacht vom Montag zu Dienstag wurden in Teilen des Afrikanischen Viertels in Berlin-Wedding Straßen von Unbekannten umbenannt. Folgend eine Dokumentation der Überreste und ein Transkript des Plakat-Textes (Fehler im Original).

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner,

wir möchten Ihnen mitteilen, dass in diesem Gebiet kürzlich Straßenumbennungen stattgefunden haben. Zur besseren Orientierung möchten wir Sie kurz über die Hintergründe und die Bedeutung der neuen Namen in Kenntnis setzten.
Viele der Straßen im Wedding erhielten ihren Namen während der brutalen Kolonisierung afrikanischer Regionen durch die Deutschen zwischen 1884 und 1918. Daher sind diese Straßen nach Ländern und Städten, die von den Deutschen erobert wurden und nach deutschen „Persönlichkeiten“ benannt, die diese Ungerechtigkeiten zu verantworten hatten. Deutschland hat seine kolonialen Verbrechen bis heute weder richtig aufgearbeitet, noch die Verantwortung für deren Folgen übernommen. Stattdessen profitiert die deutsche Bevölkerung fortwährend von den politischen und wirtschaftlichen Strukturen, die von den europäischen Ländern in der Kolonialzeit geschaffen wurden. Es ist Menschen verachtend, wenn Straßennamen, die der grausamen Erorberungspolitik der Deutschen gewidmet sind, bis heute unhinterfragt existieren können. Aus diesem Grund werden folgende Straßen umbenannt:

LUMUMBAPLATZ gewidmet Patrice Lumumba, dem ersten Ministerpräsidenten des Kongo, ermordet vom belgischen Geheimdienst und der CIA (ehemals Nachtigalplatz, 1910 benannt nach Gustav Nachtigal, mitverantwortlich für die Kolonisierung Südwestafrikas, dem heutigen Namibia)

BANTU-BIKO-STR. gewidmet den südafrikanischen Freiheitskämpfer Steve Biko, der 1977 von den in Südafrika lebenden europäischen Rassisten zu Tode gefoltert wurde (ehemals Swakopmunder Str., 1910 benannt nach einer Stadt in der deutschen Kolonie Südwestafrika)

RODNEYALLEE gewidmet dem Afrikahistoriker Walter Rodney, der für die geistige Freiheit Afrikas kämpfte und vom CIA ermordet wurde (ehemals Petersallee, benannt nach Carl Peters, verantwortlich für die Kolonisierung Deutsch-Ostafrika; später an den CDU-Politiker Peters umgewidmet)

KEN-SARO-WIWA-STR. gewidmet den hingerichteten Umweltschützer Ken Saro-Wiwa, der in Nigeria gegen die Zerstörung seiner Heimat durch den Ölkonzern Shell gekämpft hatte (ehemals Kolonie Togo, benannt nach der deutschen Kolonie Togo)

HENDRIK WITBOOI-STR. gewidmet dem Widerstandskämpfer Hendrik Witbooi, führt die Nama in den Kampf gegen die deutsche „Schutztruppe“ (ehemals Lüderitzstr., benannt nach dem Kolonialbefürworter Alfred Lüderitz)

LILIAN-NGOYI-STR. gewidmet der südafrikanischen Freiheitskämpferin Lilian Ngoyi (ehemals Otawistr., 1911 benannt nach einer Ortschaft in der deutschen Kolonie Südwestafrika)

MUMIA-ABU-JAMAL-STR. gewidmet dem politischen Gefangenen Mumia Abu-Jamal, der seit 1981 aus rassistischen Gründen unschuldig im Gefängnis sitzt (ehemals Windhuker Str., 1910 benannt nach der Hauptstadt der deutschen Kolonie Südwestafrika.

Kasten:
Vor 120 Jahren erklärten die Deutschen Südwestafrika zu ihrem „Schutzgebiet“. Der Widerstand der Herero und der jahrelange Guerillakampf der Nama und Damara richteten sich gegen die brutale Kolonialunterdrückung, den ersten deutschen Völkermord und die Errichtung der ersten deutschen KZs1 (inkl. medizinischer Menschenversuche) auf dem Boden des heutigen Namibia. Über 100.000 Menschen wurden in dieser Region Opfer deutscher Kolonialeroberung.

Bildunterschrift:
Überlebende Herero wurden in die Wüste getrieben, damit sie verdursten und verhungern.

Plakat Straßenumbennung
Plakat, fotografiert Togostraße / Ecke Transvaalstraße, 14.12.2010

Umbennung-1
Straßenschild, fotografiert Otawistraße / Ecke Lüderitzstraße, 14.12.2010

Umbennung-2
Dauerkolonie Togo, fotografiert 14.12.2010

Umbennung-3
Bus-Haltestelle Nachtigal-Platz, fotografiert 14.12.2010

  1. Die im Text betriebende Analogie ist (historisch) fragwürdig, vgl. Wikipedia zum Begriff des Konzentrationslagers in Deutsch-Südwestafrika: „Der Begriff „Konzentrationslager“ wird erstmals in den Jahren 1904/05 von Berlin verwendet, um Internierungs- und Sammellager für gefangene Herero und Nama zu bezeichnen. „Erfunden“ hatte ihn der britische Feldmarschall und Politiker Earl Horatio Herbert Kitchener erstmals im Krieg gegen die holländischstämmigen Buren in Südafrika um 1900. Er internierte dort die Frauen und Kinder seiner Feinde. Der Begriff „Konzentrationslager“ zu jener Zeit sollte nicht gleichgesetzt werden mit den Arbeits- und Vernichtungslagern des Nationalsozialismus. Der Begriff „Konzentrationslager“ diente in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts europaweit als Bezeichnung für Gefangenensammellager und ist daher zu relativieren.“, http://de.wikipedia.org/wiki/Konzentrationslager_in_Deutsch-S%C3%BCdwestafrika

    Ein Strang der Debatte wird auch in der Rezension zu „The Kaiser’s Holocaust“ nachgezeichnet, inkl. weiteren Literaturverweisen: http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=32006
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Pressespiegel

Fassen wir alle Sommerlochsnachrichten kurz zusammen: im Berliner Wachsfigurenkabinett ist Franz-Josef Strauss bei den Bösewichten einkategorisiert, deswegen will Markus Söder, dass Steinmeier in London vorstellig wird. Weitere Sensationsnachrichten: Enten brüten in Berlin auf Hochhäusern, die DKP braucht in einem Potsdamer Wahlkreis noch 11 Unterschriften von 20 um antreten zu können und bekommt dafür ein Interview in der „jungen Welt“.

Zum Schluss noch was interessantes: Spammer lassen Captchas (das sind die Dinger, bei den die Buchstaben so verzerrt stehen, die vom User dann eingegeben werden müssen) mit menschlicher Hilfe lösen. Je gelöstem Captcha gibts Porno, weiß heise online zu berichten.

Leben in 90 Minuten

Da Rieke endlich wieder mal gebloggt hat, konnte ich auch wieder Ideen klauen: Wer will kann mit machen und mal probieren, die Songs seines bisherigen Lebens auf eine 90 Minuten MC zu pressen (je kürzer das Leben, desto einfacher ;) ). Hier der Anfang von mir.

Seite A
Papa Roach – Dead Cell
Alien Ant Farm – Attitude
Machine Head – White Knuckle Black Out
Iron Maiden – Number of the Beast
Eels – Souljacker Part I
Bad Religion – Suffer
Guy Smily – Breakdown
Tocotronic – Drüben auf dem Hügel
Hot Water Music – Paper Thin
Joe Strummer & The Mescalereos – Global A Go Go
The Clash – London Calling
Die Goldenen Zitronen – 80 Millionen Hooligans
Slime – Deutschland

Seite B
Muff Potter – Der Sound der Neunziger
Refused – The Deadly Rhythm
Die Sterne – In Klammern
The (International) Noise Conspiracy – Communist Moon
Tom Waits – Clap Hands
Caesars – Jerk it out
Kante – Die Summe der einzelnen Teile
Superpunk – Neue Zähne für meinen Bruder und für mich
Funny Van Dannen – Mein Volk
Das Bierbeben – Wenn Deutschlands Mauern fallen
Jeffrey Lewis – I Aint Thick

Falsche Adresse

Mit einer Überschrift, die als Zitat das Wort „ficken“ enthält, bringt sehr interessante Suchanfragen in den Refrer-Teil. Leider kann ich mit Gefragten nicht dienen:

  • mann von mann gefickt werden
  • noch gefickt werden
  • noch nie gefickt*
  • clip befriedigung

* das ist im Übrigen der Top-Suchbegriff in diesem Themenkreis

Deutsche Zustände (II)

Jüdischer Friedhof in Berlin-Weißensee geschändet, 30 Grabsteine umgestoßen.

Automatisierung und Web 2.0

Vor gut 50 Jahren erschien ein Artikel zum Thema „Die Situationisten und die Automation“ in einer einem Magazin der Situationistischen Bewegung. In dem Artikel wird versucht, positives und negatives Wirken von Maschinen und Automatisierung dazustellen. Der Sozialismus versuche durch Massenproduktion bestimmter Güter diese wertlos zu machen, zwingt aber andererseits auch eine erhöhte Anpassungsgabe des Menschen an eben diese Produktion, so eine These des Textes. Im Gegensatz dazu stehen die Künstler, die genau dem ablehnend gegenüber stehen. Der Artikel versucht nun, einen Abwägungsprozess zwischen der Befreiung des Menschen durch die Maschine und der Unterdrückung zu finden und endet mit folgenden Fazit:

Durch den Gedanken der Standardisierung wird die Verminderung und die Vereinfachung möglichst vieler menschlicher Bedürfnisse zur grössten Gleichheit angestrebt. Es hängt von uns ab, ob dieser Gedanke interessantere Versuchsfelder als die, die er verschließt, eröffnet oder nicht. Je nach dem Ergebnis kann man zur totalen Verdummung des menschlichen Lebens oder zur Möglichkeit geführt werden, ständig neue Begierden zu entdecken. Diese neuen Begierden werden aber in dem Unterdrückungsrahmen unserer Welt nicht von selbst zutage treten Eine gemeinsame Aktion ist unbedingt notwendig, um sie aufzuspüren, zu offenbaren und zu verwirklichen. (1)

Mit ein wenig Abstraktion finden wir anhand dieses nun schon 50 Jahre alten Text eine vernünftige Antwort auf die Frage der Entwicklung des Web 2.0 der daraus entstehenden politischen Handlungsmöglichkeiten. Durch die internationale Vernetzung wird zumindest theoretisch versucht, bestimmte Verfahren zu Standardisieren: Programme sind meist weltweit verfügbar: Properitäre Programme sind die extremste Form von Standardisierung, offener Quellcode wäre im situationistischen Sinne durchaus der mögliche Sinn der Individualisierung erfüllt. Ebenso können bestimmte Dateien weltweit ausgetauscht werden. Auch, und das scheint in diesem Zusammenhang vielleicht wesentlich interessanter: ob Facebook, Twitter oder Digg; sie alle stellen den Versuch einer standardisierten Kontaktaufnahme, Linkaustausch usw. da. Nun stellt sich die Frage was aus diesem entstehen kann: negativ natürlich die Aufgabe der Privatsphäre des Subjektes, die Neudefinition von Freundschaften usw. („totalen Verdummung des menschlichen Lebens“); positiv gesehen die Vernetzung verschiedenster kleiner Einheiten (auf untererster Ebene dann das individuelle „Twitter“-Profil) zu einem Ganzen aus dem etwas neues entstehen kann („ständig neue Begierden zu entdecken“).

Ideen bedeuten keine Taten, die ständig „neuen Begierden“ können höchstens konsumierend befriedigt werden, meist reichen sie gar nicht darüber hinaus. In einem anderen Text wird das so formuliert:

Zwischen der Liebe und dem automatischen Müllschlucker hat die Jugend aller Länder gewählt: sie zieht den Müllschlucker vor. (2)

Und so scheint es auch so zu laufen: das Web 2.0 kann dazu dienen Utopien zu formulieren, aber ohne eine umfassende Gesellschaftskritik werden „[d]iese neuen Begierden werden aber in dem Unterdrückungsrahmen unserer Welt nicht von selbst zutage treten“. Und so kann kann das Web 2.0, sofern es in einem anderen als dem ausschlieslichen Sinne des Betreibens des Exhibitionismus des Privaten, genutzt werden, dazu beitragen Utopien zu entwickeln und durch die „kleinsten Vernetzungseinheiten“ diese durch die individuelle und kollektive Tat in die Realität umsetzen. Oder eben, und das scheint jedem Phänomen innezuwohnen, auch das konkrete Gegenteil zu produzieren: Normung und Zementierung bestehender Strukturen – genau dieses Worst-Case-Szenario scheint das der ersten Wahl zu werden.

(1) Die Situationisten und die Automation
(2) Formular für einen neuen Urbanismus

Toller Mayday-Mobiclip

Während das „Revolutionäre Erste Mai Bündnis“ in einem hochgradig peinlichen Clip Heuschrecken abknallen, Autos anzünden und Demonstranten und Bullen sich kloppen lässt, werden wo anders etwas anspruchsvollere Mobiclips produziert, toll.

Rudelbloggen

Rieke hat angefangen, ich mache mal weiter:

32% Geek

55%How Addicted to Blogging Are You?

Join the anti-social network


flickr.com / isar 21

Das anti-soziale Netzwerk für alle, die ihre Ruhe haben wollen: isolatr. Alles noch im Beta-Stadium, deine 1500 MySpace-Freunde können leider auch nicht mitbekommen – und Buttons: vergiss es, ein Instantmessanger, bei dem der Nutzer immer auf Abwesend gestellt ist, machen das Angebot komplett.

via Inforiot

Schade, dass Weihnachten vorbei ist…

…denn die schönsten Geschenke werden immer zu spät gefunden.

Wie wärs mit Plüsch-Riesenmikroben für die verpickelte Schwester, den Onkel mit dem fürchertlichen Mundgeruch und den Bierliebenden Papa ?