Der Angriff der Rambo-Radfahrer

Ambros Waibel schreibt heute in der taz über den Deutschen Verkehrsgerichtstag.

Der Auslöser lag eher dort [Grund für Behandlung des Themas Radfahrer], wo auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) Handlungsbedarf sieht: Die Sitten im Straßenverkehr würden verrohen, Radfahrer missachteten rote Ampeln, beführen Radwege und Einbahnstraßen in falscher Richtung oder belästigten Fußgänger, klagt sie und fordert erzieherische Maßnahmen.

Halten wir fest: Ich überfahre rote Ampeln, die ich als sinnlos empfinde; ich fahre freihändig auf geraden Strecken; ich trage geschlossene Kopfhörer; ich fahre Radwege auf falscher Richtung entlang und kürze unzulässig auch über Bahnhofsvorplätze ab, da die Alternative ist, 5 Minuten an diversen Ampeln zu stehen; ich befahre Einbahnstraßen in falsche Richtung, aber eher unabsichtlich (die Sache mit dem Bus war extrem eng); Fußgänger belästige ich nicht, aber Autofahrer, in dem ich auf dem Autostreifen fahre, wenn der Radweg unzumutbar ist. Kurz: ich bin der idealtypische Ramboradfahrer, wenn es nach der GDP geht. taz-Waibel hat doch eine andere Beschreibung:

Das Rad als Verkehrsmittel nimmt heute einen viel größeren Raum ein als noch vor wenigen Jahren. Allerdings führt dieser Wandel auch dazu, dass testosterongeladene Jungmänner, die früher im Opel Manta Angst und Schrecken verbreiteten, nun die gleichen Verhaltensmuster auf Mountain-Bikes an den Tag legen. Wer da nicht mithalten mag, sieht sich schnell als Verkehrshindernis geoutet und dummdreist angemacht.

Glücklicherweise fahre ich kein Mountainbike und andere Radfahrer anpöbeln tue ich auch nicht (wozu auch). Die Beschreibung ist im generellen etwas sehr stereotyp geraten: nicht mal Renter auf ihren Räder mit tiefen Einstieg steigen irgendwo an einer Ampel ab. Sie fahren einfach vorher über den abgeflachten Bürgersteig. Aber Waibel hat natürlich völlig recht wenn er schreibt:

Weil sich die Radfahrerschaft ausdifferenziert, weil sie schneller wird, braucht sie mehr Platz: So könnten sich selbst als sportlich einschätzende Fahrer fröhlich Gummi geben. Wenn die Polizei auf Erziehung und Kontrolle setzt, wird sie dem Phänomen nicht gerecht – und wird somit scheitern.