Antispe – Ohje, ohje

Ab Heute bis Sonntag findet der „Antispe Kongress“ statt. „Antispe“ scheint die neue Trendbewegung (radikaler) Linker zu sein. Da Kategorien wie „Tierprodukte schmecken nicht“ ausgedient zu haben scheinen, muss sich jetzt eine Philosophie zusammengebastelt werden, die das eigene Handeln irgendwie begründet.

Jeder soll die Freiheit haben, Tierprodukte nicht zu konsumieren, weil er Empathie für traurig schauende Tiere hat; aber die Energie mit diese Empathie nicht-Veganern aufgezwungen versucht wird, unterscheiden oft nicht von hausierenden religiösen Sekten – nur das sich eben über die Bibel sondern über das Stück Fleisch (für Vegetarier wie mich, die ja glücklicherweise in veganer Logik auch „Spes“ sind, ist eben der Käse) diskutiert wird. Oftmals fordern die (militanten) Anti-Spes Toleranz und Akeptanz ein, die sie anderen nicht bereit sind zuzustehen, was nun aufgrund ihrer Ideologie auch kein Wunder ist. Darauf ein Käsebrötchen, dick bestrichen mit Butter.

Übrigens: Ivo Bozic hat am Ende seiner Rezension zum Film „Animals in Love“, der versucht in der Tierwelt, monogame, hetereosexuelle Beziehungen zusammen zu basteln, mit folgenden treffenden Schlusswort versehen:

Veganer und Tierrechtler werden den Film sowieso lieben, denn sie sind ja ohnehin der Meinung, dass Mensch und Tier dasselbe sind. Dabei zeigt uns die Natur vor allem, dass schon kaum ein Tier mit einem anderen vergleichbar ist. Völlig grotesk ist also die Idee von selben Rechten und moralischen Kategorien für alle Le bewesen, Menschen eingeschlossen. Wer Tiere wirklich respektiert, versucht nicht, ihnen mensch liche, also gesellschaftliche Normen über zustülpen. Und wer Menschen respektiert, reduziert diese nicht auf ihre biologischen Merkmale. Auch der Mensch ist ein fantastisches und – das ist wichtig – einzigartiges Wesen mit unglaublichen Fähigkeiten. Neben dem Fressen und Ficken kann er nämlich nicht nur fernsehen, sondern auch Fernseher erfinden und herstellen. Kein Tier kann das. Aber auch sein Liebesleben ist ein echtes Phänomen, komplex, widersprüchlich und immer wieder verwirrend, und selbst für uns oft noch schwieriger nachvollziehbar als die bizarre Partnersuche und Fort pflanzung der Tiere. Auch dies kann man aus »Animals in Love« lernen. Oder eben aus dem echten Leben.

aus „Loveparade der Tiere“, Jungle World 31/2008


2 Antworten auf “Antispe – Ohje, ohje”


  1. 1 antifa 9000 pro 07. August 2008 um 16:29 Uhr

    > „Antispe“ scheint die neue Trendbewegung (radikaler) Linker zu sein.

    Da bist Du der Realität nur 20 Jahre hinterher. Heutzutage ist da kaum noch jemand dabei. Was Du als „Trend“ ausgemacht hast, ist der Trend des linksliberalen Mainstreams „Antispe“ explizit zu kritisieren. Und den gibts eben erst jetzt, zu einem Zeitpunkt, wo die Schnittmenge zwischen selbsternannten Linken und Antispes gegen 0 tendiert.

    Übrigens zeigt Deine Gleichsetzung von Antispe und Vegetarismus, dass Du keinerlei Ahnung von der Materie hast. Wie auch, wenn man sich auf Medien wie die Jungle World verläßt.

  2. 2 Administrator 07. August 2008 um 23:03 Uhr

    a.) Antispe ist gewiss nicht neu, tritt aber meines Empfindens in letzter Zeit durchaus geballt auf, ob nun als Arbeitskreisen in Jugendorganisationen oder eben irgendwelche Autonomen, die mir damit auf den Senkel gehen.

    b.) Klar ist Antispe und Veganismus nicht das gleiche. Veganismus oder Vegetarismus kann man auch begründen, ohne Antispe anzuhängen, was ich dann auch völlig okay finde, weil ich das für meinen Vegetarismus ebenfalls so tue. Antispe ist letztendlich ein übergeordnetes Konstrukt. Ethische Kategorien sind mir in der Begründung dieser Frage allerdings weder zielführend noch emanzipativ.

    In diesem Zusammenhang möchte ich auch mal auf den Artikel „Ein paar Gedanken zum Thema Tierrechte“ verweisen: http://fenster.blogsport.de/2008/03/28/ein-paar-gedanken-zum-thema-tierrechte/

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