Web 2.0 versus Freundschaft 1.0

Rieke macht es in ihrem Blogeintrag insbesondere an der partnerschaftlichen Beziehung fest, sie fragt:

Die Zeiten in denen man noch so ECHTE Handgeschriebene Briefe voller Rechtschreibfehler bekommen hat sind leider auch schon lange vorbei, wo sind all die Romantiker hin?

Haben wir unsere kindlichen und ja zugegeben manchmal Naiven Vorstellungen über Bord geworfen um ein Teil dieser Web-versessenen Welt zu werden? Vielleicht.

Nachdem wir alle „Web 2.0″ sind, nur noch über IM und Mail kommunizieren, scheint es doch auch einmal wert zu analysieren, welche negativen Seiten das alles mit sich bringt. Vor allem erstmal eine Pervertierung des Wortes „Freund“. In MySpace und ähnlichen Plattformen werden Leute zu Freunden, die der betreffende Nutzer vielleicht niemals gesehen hat, flüchtig kennt, oder wahrscheinlich auch nur wegen des virtuellen Freundeslisten-Schwanzvergleiches „geaddet“ hat. Und so werden Oberflächlichkeiten oberste Priorität, die ungefragte Selbstentblößung und die konsequente Kapitalisierung seiner Daten für Murdoch, Holzbrinck und Co. Voraussetzungen des „sozialen Lebens“. Zukunftsmodell: 1000 MySpace-Freunde und keine Verlässlichkeiten in der Realität?

Weiter gehts:

Aber wer ist eigentlich diese Digitale Bohème von der alle reden?
Gehören wir etwa schon dazu nur weil wir in der Lage sind einen Computer zu bedienen und einen Großteil unserer Freunde in Social Networks archivieren, ich weiß es nicht aber diese Frage hat eindeutig Klärungsbedarf, denn ich finde Begriffe wie das Web 2.0 relativ schwammig und daraus einen Gesellschaftsbegriff zu machen der nicht klar umreißt, wer nun dazu gehört und wer nicht irritiert mich noch mehr, aber auch das wird sich hoffentlich irgendwann ändern…

Die Bohème ist seit jeher die leidenschaftliche Projektionsfläche der bürgerlichen Gesellschaft, symbolisiert sich doch in der romantischen Vorstellung absolute Freiheit und Unabhängigkeit – und kritischen Geist. Die „Digitale Bohème“ zeichnet dadurch aus, das sie den Glauben an Freiheit und Unabhängigkeit behält, den kritischen Gedanken dann aber auch nur dann für richtig hält, wenn sie Content generiert. Das Layout für die Internetseite eines Braunkohleverstromers und das gleichzeitige Aufschreien auf dem Blog dagegen ist kein Widerspruch für die „Bohème“, sondern viel mehr das gerühmte Konzept.

Jeder Depp, der einen Computer bedienen kann, kann Teil der „Digitalen Bohème“ werden, sowie das auch schon früher jede Person, die glaubte dichten o.ä. zu können konnte. Und eben dann in diesem Stadium ewig bleiben, völlig absinken oder eben ordentlich abstauben zu können. Da sehe ich für mich keine Grenzen und glaube gar nicht, das dies nötig ist. Denn eine Eingrenzung eben dieses Begriffes, würde eben dem Phänomen nicht gerecht werden. Beschreibt die „Digitale Bohème“ nur die Personen, die informationstechnischen Berufen nachgehen, werden die zahlreichen Künstler außer Acht gelassen, die ihren Kram über das „Web 2.0″ verteilen usw. Das führt zu nichts.

Web 2.0 ist Trend, Web 2.0 wird sterben und/oder sich weiterentwickeln. Fraglich nur in welche Richtung.