Ein paar Gedanken zum Thema Tierrechte

Anmerkung: Intention dieses Textes ist es nicht, Massentierhaltungen o.ä. zu rechtfertigen. Vielmehr ist auch der Autor der Meinung, das Tieren ein größtmöglicher Schutz zukommen soll. Vielmehr handelt es sich hier um eine grundsätzliche Kritik an der Tierrechtsideologie.

Jeder, der schon mal auf Seminaren rumhockte, kennt das Spiel: „Welches Tier wärst du?“ In der darauffolgenden Runde projezieren die jeweiligen TeilnehmerInnen bestimmte Eigenschaften auf das Verhalten bestimmter Tiere. Die Ameise gilt auf Grund der Sozialstrukturen in ihrem Bau als kollektivistisch, die Katze als individualistisch und eigensinnig oder im negativen Fall faul und hinterhältig. Hier tritt also genau das ein, was gemeinhin „Vermenschlichung“ von Tieren genannt wird. Wir beschreiben Eigenschaften, die wir aus unserem Sozialgefüge kennen, als gemeingültig. Heißt also anders: würden wir die Eigenschaft faul als solche nicht kennen, wir würden ein Tier nicht in diesem Sinne vermenschlichen.

Auf ähnlicher Projektionebene bewegt sich die Frage nach Tierrechten. Menschenrechte, im Wesen definiert durch Egalitiät, Universalität und Unteilbarkeit sind eine Errungenschaft jahrhunderterlanger Kämpfe. Der Mensch musste sich aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreien, wie es Kant formulierte, um diese zu erringen. Die Formulierung der Menschenrechte war also zwingende Voraussetzung für die Formulierung, konkreter benannt die Projektion, des unveräußerlichen Recht jedes menschlichen Individiums, des Menschenrechtes, auf Tiere, also dem Entstehen von Tierrechten. Die Folge ist nun, das BefürworterInnen von Tierrechten versuchen, spezifische Verhaltensweisen des Menschen bei Tieren nachzuweisen, wie z.B. Depressionen um sie so zu vermenschlichen und ihre Projektion rationell zu begründen.

Die Absurdität der Tierrechtsidee wird an einem Beispiel recht deutlich: stellen wir uns vor, Menschen und Tieren würden die gleichen unveräußerlichen Rechte zu stehen. Wir befinden uns in der Savanne, ein Löwe liegt hungrig unter dem Baum. Ein Mensch läuft nun an diesem hungrigen Löwen vorbei. Gemäß der unveräußerlichen Rechten, die nach oben festgestellter Definition von Menschenrechten universell gelten, nehmen wir hier einmal das Recht auf Leben, eine zentrale Forderung der Tierrechtsbewegung, dürfte weder der Mensch den Löwen, noch der Löwe den Menschen töten. Den beide sind Subjekte, für die die gleichen unveräußerlichen Rechte gelten. Der Mensch mag dies als bewusster TierrechtlerIn einzuschätzen und sofern dieser den Löwen nicht tötet, sind die unveräußerlichen Rechte des / der jeweiligen PartnerIn vorläufig gewahrt. Dem Löwen wird all dies indes relativ gleichgültig sein.

Hypothetisch angenommen: er tötet den Mensch, weil ihn der Trieb übermannt. Selbst bei dem Nachweis bestimmter spezifischer menschlicher Verhaltensweisen bei Tieren, werden diese nie im Stande sein, gleichberechtigt (in welcher Richtung auch immer) die Rechte zu nutzen, dafür ist auch völlig irrelevant ob Tiere Schmerzen empfinden oder eine Seele haben. Tiere werden also niemals ein Vergehen an ihnen anklagen können, da sie ihre Rechte nicht kennen, noch sich selbst irgendwo vertreten können. Weiter abstrahiert: vielmehr würden nach Tierrechtsargumentation und deren offensichtliche unmögliche Einlösung durch die Tiere, diese bevorzugt. Denn kein klardenkender Mensch würde auf die Idee kommen, ein Löwen für einen Mord vor ein, wie auch immer geartetes, Gericht zu stellen, eine andere Alternative gibt es nicht, denn wir erinnern uns: selbstjustiziell handeln und töten ist dem Menschen untersagt, sofern er die universellen unveräußerlichen Rechte des Tieres schätzt. Wer also Herrschaftsstrukturen des Menschen über die Tiere durch Tierrechte auflösen möchte, tut dies nicht, sondern ersetzt dieses durch das Herrschaftsverhältnis Tier über den Mensch. Dem Tier steht also Töten eines Artgenossen (ausgehend von der Tierrechtsideologie, bei der Menschen zu menschlichen Tieren mutieren) zu, da es keine Strafmechanismen gibt, die nicht mit seinem unveräußerlichen Rechten brechen würden, während dies bei Menschen nicht der Fall wäre, da dieser zurechnungsfähig ist. TierrechtlerInnen sind also in der Endkonsequenz auf ihre Weise Speziezisten, also jene Menschen, welche TierrechtlerInnen aufgrund ihrer Differenzierung zwischen Mensch und Tier, der Definition des Herrschaftsanspruches des Einen über den Anderen, hier also das Tier, angreifen . Und so befinden wir uns einem in der Tat unauflösbaren Problem: das Verhältnis zwischen Mensch und Tier lässt in keiner der beiden Richtungen regeln, ohne Herrschaftsmechanismen zu erzeugen. Die Frage, die sich nun stellt, ist grundsätzlich nur, welche Art des Speziezismus zu bevorzugen ist.

Kurz also: die aus der Aufklärung entstandenen Menschenrechte haben die Tierrechte ermöglicht, die aber Menschenrechte und Aufklärung grundlegend in Frage stellen. Oder einfacher formuliert: die Vermenschlichung des Tieres durch Großstadtkinder drückt vielmehr die Entfremdung des Menschen vom Tier aus, gleichsam wie das eben die industrielle Massenproduktion von Fleisch auch tut.