Archiv für März 2008

Ein paar Gedanken zum Thema Tierrechte

Anmerkung: Intention dieses Textes ist es nicht, Massentierhaltungen o.ä. zu rechtfertigen. Vielmehr ist auch der Autor der Meinung, das Tieren ein größtmöglicher Schutz zukommen soll. Vielmehr handelt es sich hier um eine grundsätzliche Kritik an der Tierrechtsideologie.

Jeder, der schon mal auf Seminaren rumhockte, kennt das Spiel: „Welches Tier wärst du?“ In der darauffolgenden Runde projezieren die jeweiligen TeilnehmerInnen bestimmte Eigenschaften auf das Verhalten bestimmter Tiere. Die Ameise gilt auf Grund der Sozialstrukturen in ihrem Bau als kollektivistisch, die Katze als individualistisch und eigensinnig oder im negativen Fall faul und hinterhältig. Hier tritt also genau das ein, was gemeinhin „Vermenschlichung“ von Tieren genannt wird. Wir beschreiben Eigenschaften, die wir aus unserem Sozialgefüge kennen, als gemeingültig. Heißt also anders: würden wir die Eigenschaft faul als solche nicht kennen, wir würden ein Tier nicht in diesem Sinne vermenschlichen.

Auf ähnlicher Projektionebene bewegt sich die Frage nach Tierrechten. Menschenrechte, im Wesen definiert durch Egalitiät, Universalität und Unteilbarkeit sind eine Errungenschaft jahrhunderterlanger Kämpfe. Der Mensch musste sich aus seiner „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ befreien, wie es Kant formulierte, um diese zu erringen. Die Formulierung der Menschenrechte war also zwingende Voraussetzung für die Formulierung, konkreter benannt die Projektion, des unveräußerlichen Recht jedes menschlichen Individiums, des Menschenrechtes, auf Tiere, also dem Entstehen von Tierrechten. Die Folge ist nun, das BefürworterInnen von Tierrechten versuchen, spezifische Verhaltensweisen des Menschen bei Tieren nachzuweisen, wie z.B. Depressionen um sie so zu vermenschlichen und ihre Projektion rationell zu begründen.

Die Absurdität der Tierrechtsidee wird an einem Beispiel recht deutlich: stellen wir uns vor, Menschen und Tieren würden die gleichen unveräußerlichen Rechte zu stehen. Wir befinden uns in der Savanne, ein Löwe liegt hungrig unter dem Baum. Ein Mensch läuft nun an diesem hungrigen Löwen vorbei. Gemäß der unveräußerlichen Rechten, die nach oben festgestellter Definition von Menschenrechten universell gelten, nehmen wir hier einmal das Recht auf Leben, eine zentrale Forderung der Tierrechtsbewegung, dürfte weder der Mensch den Löwen, noch der Löwe den Menschen töten. Den beide sind Subjekte, für die die gleichen unveräußerlichen Rechte gelten. Der Mensch mag dies als bewusster TierrechtlerIn einzuschätzen und sofern dieser den Löwen nicht tötet, sind die unveräußerlichen Rechte des / der jeweiligen PartnerIn vorläufig gewahrt. Dem Löwen wird all dies indes relativ gleichgültig sein.

Hypothetisch angenommen: er tötet den Mensch, weil ihn der Trieb übermannt. Selbst bei dem Nachweis bestimmter spezifischer menschlicher Verhaltensweisen bei Tieren, werden diese nie im Stande sein, gleichberechtigt (in welcher Richtung auch immer) die Rechte zu nutzen, dafür ist auch völlig irrelevant ob Tiere Schmerzen empfinden oder eine Seele haben. Tiere werden also niemals ein Vergehen an ihnen anklagen können, da sie ihre Rechte nicht kennen, noch sich selbst irgendwo vertreten können. Weiter abstrahiert: vielmehr würden nach Tierrechtsargumentation und deren offensichtliche unmögliche Einlösung durch die Tiere, diese bevorzugt. Denn kein klardenkender Mensch würde auf die Idee kommen, ein Löwen für einen Mord vor ein, wie auch immer geartetes, Gericht zu stellen, eine andere Alternative gibt es nicht, denn wir erinnern uns: selbstjustiziell handeln und töten ist dem Menschen untersagt, sofern er die universellen unveräußerlichen Rechte des Tieres schätzt. Wer also Herrschaftsstrukturen des Menschen über die Tiere durch Tierrechte auflösen möchte, tut dies nicht, sondern ersetzt dieses durch das Herrschaftsverhältnis Tier über den Mensch. Dem Tier steht also Töten eines Artgenossen (ausgehend von der Tierrechtsideologie, bei der Menschen zu menschlichen Tieren mutieren) zu, da es keine Strafmechanismen gibt, die nicht mit seinem unveräußerlichen Rechten brechen würden, während dies bei Menschen nicht der Fall wäre, da dieser zurechnungsfähig ist. TierrechtlerInnen sind also in der Endkonsequenz auf ihre Weise Speziezisten, also jene Menschen, welche TierrechtlerInnen aufgrund ihrer Differenzierung zwischen Mensch und Tier, der Definition des Herrschaftsanspruches des Einen über den Anderen, hier also das Tier, angreifen . Und so befinden wir uns einem in der Tat unauflösbaren Problem: das Verhältnis zwischen Mensch und Tier lässt in keiner der beiden Richtungen regeln, ohne Herrschaftsmechanismen zu erzeugen. Die Frage, die sich nun stellt, ist grundsätzlich nur, welche Art des Speziezismus zu bevorzugen ist.

Kurz also: die aus der Aufklärung entstandenen Menschenrechte haben die Tierrechte ermöglicht, die aber Menschenrechte und Aufklärung grundlegend in Frage stellen. Oder einfacher formuliert: die Vermenschlichung des Tieres durch Großstadtkinder drückt vielmehr die Entfremdung des Menschen vom Tier aus, gleichsam wie das eben die industrielle Massenproduktion von Fleisch auch tut.

Fragment

Eine unglaubliche Geräuschkulisse in der S-Bahn. Ein Baby schreit, ein Musiker spielt auf einem Akkordium, eine junge Bewohnerin einer WG für betreutes Wohnen erzählt einer bloden Frau lautstark ihre Leiden, nachdem diese sie aus Mitleid angesprochen hatte, als sie vor sich hinbrabbelte. Ein Mann neben mir klappt sein Buch über Architektur zu und packt sie in seine Tüte voller antiquarischer Bücher. Auf einmal gibt es nur angenehme Töne. Unter meinen Kopfhörern läuft die neue Superpunk-CD.

Ablage: Anwärter aufs Album des Jahres

Kurz: ich bin begeistert. Es gibt sie noch: deutschsprachige Punkbands, die auf den Punkt spielen, intelligente Texte haben und auch ihre Instrumente in einem Maß bedienen können, das es Spaß macht, ihnen zuzuhören. Hier könnte das Interview über das neue Album „Nächster Halt gefliesster Boden“ von Pascow enden und alles wäre gesagt.

Ergänzung. Eins lässt sich feststellen: Pascow sind aggressiver geworden, das tut ihnen gut – so arbeiten sie die Melodik, die sie ja auch sehr gut können besser hinaus, deswegen wirken dann Songs wie „Coke Zero Zero (For Freedom)“ dann eben so toll. Das Label der Punker-Bravo „Plastic Bomb“ hat mit dieser Veröffentlichung doch ein glückliches Händchen gehabt.

Homepage der Band

Osterbotschaft von Werner Pirkner

Erstaunlich, wie Werner Pirkner an der jüdischen Kritik an der Karfreitags-Fürbitte des Papstes, die zur Bekehrung der Juden aufruft, dann noch mal das reinsemmeln kann, was von ihm erwartet wird: Israelfeindlichkeit und Antiamerikanismus.

(…) Das ist auch ein zentraler Glaubenssatz amerikanischer Evangelikaler, von denen sich nicht wenige als »christliche Zionisten« in Israel niedergelassen haben. Ihren Wahnvorstellungen zufolge könne mit der Wiederkehr des Erlösers erst dann gerechnet werden, wenn alle Juden aus der Diaspora zurückgekehrt seien. Die Bekehrung des »Volkes Israel« zum Christentum wäre dann eine von oben beschlossene Sache. Die evangelikalen Bestrebungen zur Christianisierung des Judentums im Einklang mit der zionistischen Unterwerfung Palästinas brauchen sich indessen nicht des Vorwurfes des Antisemitismus zu erwehren. Der karfreitägliche Disput ist eben nicht bloß eine Glaubensfrage.

via „junge Welt“

Hasen und so

Übrigens, bei der Hamas gibt es rosa Bunnys (mit der grausamsten Fistelstimme aller Zeiten) in einer Call-in-Show.

Claus Peymann will sich keine Hose kaufen …

… sondern redet mit der SZ über Geld. Auch wenn er sonst viel Blödsinn erzählt, so ist das Interview doch unterhaltsam:

(…)
SZ: Klingt alles ein bisschen wie Ausreden für die Schwäche des Theaters.
Peymann: Heute wird Theater manchmal zu einer egomanischen Nabelschau. Wen interessieren die Probleme, die Regiejungstars mit ihrem Pimmel oder ihrer Mutti haben? Das Theater ist vielerorts von einer moralischen Anstalt zu einer Schmuddelbude verkommen. Natürlich habe ich nichts gegen Nackte auf der Bühne, wenn es überzeugt.
(…)
Peymann: (…) Europa baut längst an einer Mauer, gegen die die Berliner Mauer ein Witz war: gegen die Dritte Welt! Und Afrika begehrt auf. Boatpeople auf Teneriffa und überall. Unser Reichtum ist gestohlen.
SZ: Diese These ist doch völlig überholt.
Peymann: Das müssen Sie ja sagen sonst hätten Sie ja nicht Ihren Job im Wirtschaftsteil der Süddeutschen.
(…)
SZ: Wie verträgt sich Ihre Gage mit der Ankündigung, „ein Reißzahn im Arsch der Mächtigen“ zu sein?
Peymann: Soll ich hungern, weil ich für eine andere Gesellschaft bin? Sie Geldfritzen von der SZ entlarven mich bei gar nichts. Als ich nach Berlin kam, sagte ich dem Kultursenator: Ich möchte 10.000 Mark im Jahr mehr verdienen als der bestbezahlte Intendant. Das war damals Frank Castorf von der Volksbühne. Die Gage wurde genehmigt. Nachher stellte ich fest, dass ich 150.000 Mark im Jahr weniger verdiente als vorher in Wien. Ich hab‘ mich in den Hintern gebissen. (…)

Mehr? Hier!

Fundstücke (III)

und als Bonbon

Brandenburg ist das Kentucky Deutschlands, aber was ist dann Brandenburg Kentucky? Richtig. Eine Stadt, die um eine Kneipe herumgebaut wurde. Schäbig? Typisch Brandenburg! (Quelle: Inforiot)

Same old Story (II)

Am 18.03.2008 wurde das „autonome Aktions- und Kommunikationszentrum Alhambra“ in Oldenburg durchsucht. Anlass war ein anonymer Eintrag in einem Gästebuch des “Alhambra”, in dem angeblich zur Gewalt aufgerufen wurde. Dies solle den Straftatbestand der Aufforderung zu einem “schweren Landfriedensbruch” erfüllen.

Für diese Hausdurchsuchung reichte also ein anonymer Gästebucheintrag auf der Internet-Seite des “Alhambra”. Dabei sollte auch den ermittelnden BeamtInnen klar sein, dass die Internet-Seiten über einen Internet-Provider ins Netz gestellt werden. Wenn überhaupt kann nur dieser als einziger darüber Auskunft erteilen, von wem der fragliche Gästebucheintrag stammt.

Obwohl keine Zugriffsdaten der Internet-Seite in den Räumlichkeiten des “Alhambra” gespeichert werden, beschlagnahmten die etwa 20 BeamtInnen der Polizei sämtliche Computer und einen Server. Während der Durchsuchungsaktion filmten die BeamtInnen anwesende Personen und Räumlichkeiten. NutzerInnen wurde der Zutritt zu den Räumlichkeiten verweigert. (…)

zitiert nach Provinzkritik

Was fällt da einem noch ein? Außer vielleicht ein interessanter Vortrag zum Thema „Hausdurchsuchungen“.

Dinge, die dringend verpasst werden müssen (II)

Matussek geht in den Zoo und sucht den neuen Knut. Ungeheuer interessant, wirklich jetzt. Wie er Tiere mit Sprüchen von Dieter Bohlen beleidigt, diese grandiose Satire auf den Castingwahn; auf das gesamte verzerrte Verhältnis vom Menschen zum Tier. Tiere! welche der Urbanisierte vor allem aus dem Zoo, aus dem Fernseher kennt und seine gesamten pseudo-romantischen Gefühle darauf projeziert. Das ist alles so unglaublich geistreich, das es unbedingt verpasst werden muss.

„Heiße Eisen“

Die CDU und die GAL packen heute heiße Eisen an, weiß die Tagesschau zu berichten. Ich gebe mein Tipp für das Endergebnis: Kohlekraftwerk und Elbvertiefung kommen, als ökologische Ausgleichsmaßnahme gibt es einen SenatorInnenposten mehr für die GAL. (Krista Sager oder irgendwer anders wird dann sagen: „Das war ein harter Kampf und ein schmerzhafter Kompromis. Liebe Freundinnen und Freunde, das Kohlekraftwerk wäre auch gekommen, wenn die Sozen mit dem netten, zuvorkommenen und überaus liberalen Ole verhandelt hätten, gleiches gilt für die Elbvertiefung. Deswegen ist das ja nicht weiter dramatisch. Aber, wie wir schon zu Beginn der Koalitionsverhandlung sagten: ‚Macht vor Inhalte‘. Was? Inhalte vor Macht? Nein, Jochen – da erinnerst du dich falsch, das waren die Zeiten wo wir mal hier sozialistisch waren.“)

Alternativ: ein „Expertengremium“ aus Vattenfallmitarbeitern, der Bauindustrie und dem ifo-Institut „überprüft“ den Bau des Kohlekraftwerkes, dafür verpflichtet sich Ole von Beust in einem harten errungenden Kompromis dazu, das in Hamburg keine gentechnisch veränderten Organismen angebaut werden und niemals ein AKW in der Hafencity gebaut wird. (Krista Sager wird dann sagen: „Das war ein harter Kampf und ein schmerzhafter Kompromis. Der CDU haben wir die ökologische Erneuerung der Stadt abgerungen. Aber, wie wir schon zu Beginn der Koalitionsverhandlung sagten: ‚Macht vor Inhalte‘. (…)“ )

Hoffnung: die GAL ist schlau genug, nicht den Schill zu machen.