Archiv für Februar 2008

Torte und Palitücher

In Zeiten, wo sich Punks beim Torten essen von Polylux filmen lassen und Cremetorte als die neue Szenedroge feiern, sieht das echt nicht gut aus um die Punkszene. Aber es gibt ja noch Hoffnung. Nettes Lied namens „Das Palituch“ von Amen 81. Zur besseren Verständlichkeit auch gleich mit Text, denn das hört sich noch wie die guten alten Sachsen aus den 80er Jahren an, wo Gitarrensolos noch ein Fremdwort wahren, ebenso wie epische Songlängen von 3 Minuten. Das Video ist ziemlich schlecht, aber auf den musikalischen Inhalt kommt es ja an.

Ich bin weich und praktisch
geb Wärme und Geborgenheit
Bin schnuffelig und kuschelig
und komm in vielen Farben
Ich bin klassisch und Schwarzweiss
Hab trotzdem keinen Chic
Gehirn kann ich nicht leiden
Darum lieg ich um..s Genick

Chorus
So drossel ich den Sauerstoff zu Kopf
Ob Rechts, ob Links ist Scheissegal
Hauptsache gegen Zion

Anti-Imperial!

Jedermann mag mich
bin allseits beliebt
ob Punk oder Hippie
Ich tanz auf jeder Hochzeit
Ob Nazi oder Anti-imperial
Ich bin auf jeder Demo
Ich kann ganz toll vermummen
sogar die Dummen

Chorus
So drossel ich den Sauerstoff zu Kopf
Ob Rechts, ob Links ist Scheissegal
Hauptsache gegen Zion

Der Kampf ist und bleibt

Gemummelt ist ein wohliges deutsches, völkisches Gefühl
Rechts und Links gibt sich die Hand
Im Partnerlook marschieren
Die Reihen Rot und Braun
Sind alle wieder fest geschlossen
Zionismus euer Hauptfeind
Ihr bekämpft ihn unverdrossen

Text/ Video via Kuki

Der feuchte Traum jedes Kameradschafters

Flashwerbung ist aufdringlich. Ob nun Handyverträge, Werbung für Spiele oder Poker, nichts was einem nicht blinkend auf den Geist geht. Und die neuste Masche kann mensch nun im Blog von Juber sehen: Mit-wem-bist-du-verwandt-Werbung mit Hitler. Da bleibt nur ein ein „Na Ihh Bäh“ und die Frage: Für welche Zielgruppe ist das eigentlich gedacht?

Billy Bragg – „The Milkman …

… Of Human Kindness“. Großartiges Gitarrenspiel.

Die schönsten Arbeiter_innenlieder (I)

Den Beginn machen die „Schmetterlinge“ mit „Die Frauen der Commune“. Ist zwar für ein Arbeiterlied recht neu (1971) aber doch recht erbauend, in Zeiten von „Autonomen Hereosexuellen Befreiungsfronten“.

Heut´ kühlen alle Küchen aus,
die Frauen bleiben nicht zu Haus
zum Kochen und Schaffen.
Sie ziehen zum Kommunehaus
und fordern: gebt Gewehre aus,
gebt uns Frauen Waffen!
Wie ihre roten Wangen glüh´n beim Barrikadenbauen –
Die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune,
die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune.

Die Frau gehöre unters Dach,
das Kämpfen, das ist Männersach`,
das war die alte Weisheit.
Doch hält die Frau nicht länger still,
sie hat erkannt: wer frei sein will,
muss kämpfen um die Freiheit!
Wie ihre roten Wangen glüh´n beim Barrikadenbauen –
Die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune,
die bisher schönsten Frauen,
die Frauen der Commune.

via GPA-FSG, dort auch mit Musik

„Ihr habt ja noch nie gefickt“

Es ist schon erstaunlich, was so entsteht, wenn Kerle fünf Minuten alleine gelassen werden. Die gründen dann eine „Autonome hetereosexuelle Befreiungsfront“. Es ist eben auch nichts neues, dass sich Männer von einer vermeintlichen weiblichen Übermacht in die Ecke gedrängt fühlen und ihre irrationalen Ängste dann ausleben. Und dann diese zersetzenden weiblichen Elemente! Einfach zu köstlich (mit tollen Kommentaren, u.a. dem den ich als Aufhänger genommen habe):

Wir wollen Bestrebungen verhindern, die soweit gehen unsere Rechtschreibung zu verschandeln, beispielsweise durch das berühmt- berüchtigte “innen” nach jedem Wort. Wir stellen uns eine Welt vor, in der es wieder alltäglich ist ein Mann zu sein, dass mann sich dafür nicht mehr schämen muss, so zu sein, wie mann von Natur aus ist. Für uns ist es wichtig eine langanhaltende, produktive Arbeit führen zu können.
Daraus resultiert für uns, dass wir auch nur heterosexuelle Männer innerhab unserer Gruppe akzeptieren können, um uns nicht von reaktionärem Gedankengut infiltrieren zu lassen. Ahnlich hat sich das ja damals auch bei den Black Panthern verhalten, dort konnten ja auch nur Afroamerikaner aktiv mitwirken und so verhält sich das ja auch bei diversen uns allen bekannten linken Frauengruppen und Initiativen.
Desweiteren erhoffen wir uns natürlich einige nachträgliche Veränderungen innerhalb der antisexistischen Arbeit. Wir möchten eine Welt für beiderlei Geschlecht und alles dazwischen erkämpfen, ohne Identitäten aufzugeben.

So ganz entschieden, ob das nun ein Fake ist, habe ich mich auch noch nicht. Denn irgendwie zutrauen würde ich das so manchen linken Gestalten schon.

„Halt’s Maul, du Zwerg!“

Während sich Nazis und andere Deutschtümler so gerne an „Heldensagen“ wie dem „Nibelungenlied“ aufgeilen, hat die taz auf ihrer Satireseite durch die Übertragung in die Moderne diese der berechtigten Lächerlichkeit preisgegeben.

Neulich im Fernsehen – Die Nibelungen bei Britt – Thema: Familienkrach VON CORINNA STEGEMANN

Britt: „Willkommen zu meiner Sendung mit dem Thema ‚Familienkrach – Warum können wir uns nicht liebhaben?‘ Mein erster Gast heißt Brunhild, und was sie uns zu erzählen hat, das hören wir jetzt von ihr selbst. Willkommen, Brunhild!“
(Das Publikum applaudiert, Brunhild tritt ein, sie trägt einen schwarzen Schlabberpulli und einen langen weiten Rock, ihre langen, schwarzen Haare wirken ungepflegt.)
Britt: „Was hast Du auf dem Herzen, Brunhild, warum bist Du hier?
Brunhild (in prolligem Tonfall): „Ja, und zwar, ich will jetzt endlich mal den Gunther und den Siegfried zur Rede stellen, und dass die mal endlich das zugeben.“
Britt: „Ich verstehe nicht, wer sind denn der Gunther und der Siegfried und was sollen die zugeben?“
Brunhild: „Ja, und zwar, der Gunther ist mein Mann und der Siegfried ist sein Schwager, und mein Ex-Verlobter, und die Kriemhild, meine Schwägerin, hat gesagt, das wäre damals in der Nacht gar nicht der Gunther gewesen, sondern der Siegfried, der mir meine Kraft und Unschuld stahl, und das will ich jetzt wissen, weil die Kriemhild, die lügt ja eigentlich eh, wenn sie nur ihr stinkendes Maul aufmacht, aber ich habe mich auch schon gewundert, als der Gunther mich im Weitsprung besiegt hat.“
(Britt guckt gewohnt dämlich aus der Wäsche, sie versteht – wie immer – kein Wort)
Britt: „Ich verstehe – wie immer – kein Wort. Holen wir den Gunther und den Siegfried doch mal rein, damit sie sich zu der Sache selbst äußern können.“
(Gunther und Siegfried treten ein. Gunther ein schwächliches, graues Männlein, Siegfried der strahlende Muskelmann. Sie setzen sich feixend an die andere Seite des Sofas)
Britt: „Also, Gunther und Siegfried “
Brunhild (fällt ihr sofort ins Wort und keift): „Ihr miesen Schweine, das zahl ich euch heim, ihr Wichser, ihr hinterlistigen Machos, ihr “
Britt: „Also, Brunhild, das finde ich jetzt “
Siegfried: „Ach, halt den Rand, du garstige Vettel, und eins sag ich Dir: Wenn Du meine Kriemhild noch ein einziges mal eine Lügnerin nennst, dann komm ich dir da gleich mal rüber, pass mal auf du, dann krachen hier die Knochen!“
Britt: „Also, Siegfried, das finde ich jetzt “
Gunther (hastig): „Ich war das ganz alleine, kein unsichtbarer Siegfried hat mir beim Wettkampf geholfen und in der Hochzeitsnacht habe ich es auch ganz alleine geschafft, mit der Brunhild naja, du weißt schon Britt “
Einer aus dem Publikum (zirka 130 Zentimeter groß): „Der Siegfried, der ist nicht nur ein Betrüger, der ist auch ein Dieb, die Tarnkappe hat er mir geklaut!“
(Vertreter der Tierschutzorganisation PETA im Publikum entrollen ein Transparent auf dem in großen, roten Buchstaben geschrieben steht: SIEGFRIED – DRACHENMÖRDER! VERGELTUNG FÜR FAFNIR!)

(…)

den Rest gibt es hier.

Kiki & Bubu

Großartig.

Ratespiel

Betrachten wir das Bild mit der amerikanischen Fahne im Screenshot:

Und nun raten wir den Titel des Artikels zum Thema von Werner Pirkner in der morgigen Ausgabe der „jungen Welt“.

a.) „Kosovo unter US-Flagge“
b.) „Kosovo erklärt sich für unabhängig“
c.) „Kosovo erklärt sich von Serbien unabhängig“

Die Antwort lautet natürlich a.), alles andere hätte mich auch bei der jW und insbesondere Werner Pirkner überrascht.

Ein letztes Wort zu Dresden


Song: Egotronic – Von Nichts Gewuszt

Alle Jahre wieder wird im Februar viel über Dresden gebloggt. Ein Zitat, das alles auf den Punkt bringt, stammt aus einem Beitrag im Blog „ugly dresden“:

Die Dresdner Öffentlichkeit benutzt nicht nur völlig opportunistisch die Opfer des Nationalsozialismus, um sich mit ihnen in eine Reihe zu stellen, wie es der Stelenkreis auf dem Heidefriedhof versinnbildlicht. Dem angeblichen „Missbrauch durch Neonazis“ wird der „Gebrauch“ des Gedenkens, der „Gebrauch“ der Geschichte entgegen gesetzt. Man leitet darüber ab das, dass Gedenken an die „Opfer“ der Bombardierung einer deutschen Stadt im Nationalsozialismus damit legitim sei. Dabei wird die konkrete Rolle „Dresdens“ und seiner Bevölkerung im nationalsozialistischen Vernichtungskrieg nach wie vor ausgeblendet. Vielmehr werden historische Ereignisse vor dem 13. Februar herausgegriffen, um einen Kontext zu herzustellen der keine TäterInnen mehr kennt. Ohne TäterInnen ist aber auch die Frage nach Schuld und der konkreten Verantwortung überflüssig. Und das ist es wohl was sich die Dresdner Öffentlichkeit am meisten wünscht.

zitiert nach „Nicht in meinem Namen“

Eine Anmerkung zu dem angesprochenden Stelenkreis: ehemals ein „Thingplatz“ aus der Naziszeit, konzipiert als Gedenkstätte für die Gefallenen des 1. Weltkrieges, die aber nicht fertiggestellt wurde, wurde der Platz in den 60er Jahren umgestaltet. 14 Stelen wurden aufgestellt, 7 tragen die Namen von Konzentrationslagern, 6 die Namen von Städten, die durch die Deutschen zerstört wurden und dann eben eine Stehle mit der Aufschrift „Dresden“.

Das zeigt eben auch, wie vielseitig sich die Bombadierung Dresdens nutzen lässt. In der DDR diente die Stadt als Mahnstätte gegen die „alliierten Luftgangster“, eine recht angenehme Lesart der Geschichte. Auch die DDR-Friedensbewegung stellte ihre Kerzen in den 1980er Jahren vor der Frauenkirche auf, um so schreibt es das Infoportal „mein dresden“ in dem Beitrag unter dem Titel „Aufruf zum unverfälschten Gedenken“ ein „Zeichen für Frieden und Versöhnung“ zu setzen. Jenes „unverfälschte Denken“, das die Angriffe auf Dresden so konsequent entkontextualisiert.

Reaktionäre Scheiße, gewidmet dem 14.02

Heute ist einer der drei heiligen Feiertage für Floristen, neben Muttertag und Totensonntag, der Valentinstag. Ein Klick auf einen Link bei Inforiot zeigt: „Romantische Zweierbeziehungen“ aka „RZB“ sind reaktionäre Scheiße, denn sie erhalten den Kapitalismus aufrecht und sein ziemlich fieses kapitalistisches Ablenkungsmanöver:

Somit hilft die RZB, das gegenwärtige System aufrecht zu erhalten, sie ist funktional für den Kapitalismus – was nicht heißt, dass es im Sozialismus automatisch anders aussieht. Neben der Reproduktionsarbeit, die innerhalb der RZB geleistet wird, ist die Familie ein nicht zu unterschätzender
Anreiz für die Selbstausbeutung des Hauptverdieners/der Haupverdienerin.

Leute die sowas schreiben, nennen sich GegenBez-Kollektiv und setzten in ihren Texten Fußnoten wie „Ist das ironisch? – Ja“ (PDF). So wirklich lohnts gar nicht, den Abschnitt auseinanderzunehmen nur soviel: das vermeintliche Spezifikum von RZB ist so universal, das es auch auf die Nahrungsaufnahme und selbst auf den Toilettengang angewendet werden kann.