Archiv für Januar 2008

Ohne viele Worte


Foto: flickr.com / manu contreras

Seit 160 Jahren gibt Siemens nach eigener Auskunft Antworten auf Fragen der Zukunft. Die „Jungle World“ hat mal bei der Pressestelle angerufen:

(…) Auf welche Fragen hat Ihr Unternehmen denn in der Zeit von 1933 bis 1945 welche Antworten gegeben?

Der Aspekt der Zwangsarbeiter hat natürlich auch unser Unternehmen betroffen. Wir mussten in der Rüstungsindustrie ja auch auf Zwangsarbeiter zurückgreifen, um die Produktion aufrecht zu erhalten. Es gab später von uns und anderen Unternehmen entsprechende Programme, um diesen Leuten und den Hinterbliebenen zu helfen. Wir haben zumindest unsere Möglichkeiten beigetragen, um wenigstens die Belastung für die damals Betroffenen einigermaßen gering zu halten. Ansonsten kann man nur sagen: Die technologische Entwicklung just in jener Zeit wurde ja auch letztlich durch die Kriegseinflüsse eher beschleunigt. Da hat man natürlich an der Stelle auch ganz wesentliche technologische Fortschritte mitgetragen. Wir sind auch damals schon ein Technologiekonzern gewesen. Die Zeit kann man aber nicht wegdenken, keine Frage, klar.

In der Broschüre steht aber doch gar nichts über die Zeit des Nationalsozialismus. Da ist nur von 160 Jahren Tradition die Rede.

Das Siemens-Archiv sammelt alles auch zu dieser Zeit und macht es transparent, auch wenn es Abschnitte gibt, von denen wir alle froh wären, wenn sie anders gelaufen wären. Aber wie gesagt: Technologisch gesehen hat es in dieser Zeit viele Stimulanzien gegeben, die den technischen Fortschritt, wozu er auch immer verwendet wurde, durchaus befördert haben. Aber ich sage es noch einmal: Ausgespart bleibt bei der Betrachtung der 160 Jahre eigentlich nichts. Das ist eine notwendige Basis für Glaubwürdigkeit und Verantwortung.

nach: „Technologisch gesehen hat es viele Stimulanzien gegeben“

Wer die NPD gewähren lässt, hat schon verloren

Ein NPD-Verbot ist, angesichts von zahlreichen Wahlerfolgen und einer Kampagne des VVN/BdA wieder in der Debatte. Es mag sicherlich nicht Motivation des VVN/BdA sein, das NPD-Verbot zur Allzwecklösung des gesamtgesellschaftlichen Problems von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus zu erklären. Doch bei so manchem Politiker scheint der Glaube an ein solches Wirken recht weit verbreitet zu sein. Dabei ist offensichtlich, das ein NPD-Verbot keine rechte Gewalt verhindern wird, denn der gesellschaftliche Nährboden für rechtsextreme Gewalttaten besteht fort. Ebenso ist wahrscheinlich, das die Nazis eine andere Organisation okkupieren und neue Strukturen aufbauen werden. Warum ein NPD-Verbot trotzdem in einer Gesamtstrategie Sinn macht.

Nazis in die Zange nehmen!

Die NPD erhält, da sie in Wahlen, mehr oder minder unbemerkt, die 1%-Hürde für die Wahlkampfkostenerstattungen überspringt, oder wie in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen in Landtage einzieht, massiv Gelder aus staatlichen Fördertöpfen. Mit diesem Geld betreibt sie das, was Toralf Staud als „Faschisierung“ der (ostdeutschen) Provinz beschrieben hat. Allein deswegen ist der Entzug finanzieller Grundlagen ein entscheidendes Argument für ein Verbot dieser offen rassistischen und antisemitischen Partei. Eine Demokratie muss nicht akzeptieren, das sie durch ihre Instrumente eine Organisation fördert, die eine totalitäre Gesellschaft aufbauen möchte. Wer die NPD gewähren lässt, sie gar als zu einem schützenswerten Teil einer Demokratie macht, hat schon verloren. Ebenso wie die, die aus Angst vor Rechtsextremen Grundrechte wie das auf Versammlungsfreiheit einschränkt.
Während durch ein Verbot der NPD und zahlreichen rechtsextremen Aktivitäten die finanzielle Grundlage entzogen würde, muss der Fahndungsdruck auf die Szene erhöht werden. Wenn rechtsextreme Taten – gerade auch an Schwerpunkten in Ostdeutschland – zur Anzeige gebracht werden, treffen die Opfer oft eine Wand staatlich-autoritärer Ignoranz. Aus rechtsextremen Übergriffen gegenüber alternativen Jugendlichen wird dann schon mal (mehr…)

Radio, Radio & Glotze

a.) Treuetest

Tom ruft beim Alsterradio an, um seine Freundin Susanne auf Treue zu testen – mit höchstinteressanten Ergebnis.

b.) Interview mit der PIN AG

Kapitalismus Brutal? Obs tatsächlich so gesendet wurde, oder ein Fake ist, keine Ahnung.

c.) Qualitätsjournalismus

Straßenumfrage unter deutschen Teenies, welches Bedeutung des Palituch nun hat. Zum Bedeutung & Geschichte wird als erstes – selbstverständlich – der Designer gefragt, und nicht etwa die Jungdemokraten/Junge Linke, die dazu ein ganz verdienstvolles Flugblatt verfasst haben.

„Die Mauer muss weg“

- so titelte die taz vergangene Woche nach der Sprengung des Grenzanlage in Rafah. Und neben den sonstigen Ausfällen Broders über die „Islamisierung“ Deutschlands, gibt es einen guten Artikel auf SPON, der den Nagel auf den Kopf trifft.

via Planet Hop

Fundstücke (I)

Fundstücke, interessant, aber nicht einen eigenen Blogeintrag wert, sollen, selbstverständlich unperiodisch, hier gesammelt werden:

a.) „Manche Deutsche verstehen nur Gewalt…

… hilf der Royal Airforce im Kampf gegen den deutschen Imperialismus.“ Text: Inforiot (Not save for pacifists)

b.) Mal wieder eine Postkarte nach Frankreich schicken…

…. und sogar solidarisch sein! Bei der französischen Post wurden mit Mithilfe anderer Gewerkschaften die CNT-PTT illegalisiert. Die FAU-IAA schickt jetzt Postkarten.

c.) Bringt DC-Comics Batman um?

Die Welt ist ungerecht. Der Typ mit Kanten und Schwächen soll eventuell für den besseren Profit gekillt werden, während der aal-glatte Superman am Leben bleibt. Sauerei.

Bild des Tages (III)

Gefunden bei & gemacht von Tom.

„The Dalai Lama told me…

…that you are reincarnation of Konrad Adenauer.“

Großartig, die Hessen-CDU zu entwaffnen ohne sie anzupöbeln.

Freiheit für Stechmücken!

Stechmücke

Da ich bekanntermaßen ein Herz für ungeliebte Insekten habe, hat mich der Kampf des Linkspartei-Abgeordneten Domres im Petitionsausschusses des Brandenburger Landtags gegen die Petition eines Berliner Mückenhassers natürlich besonders gefreut. Wie der Märkischen Allgemeinen zu entnehmen war, reichte der Insektenfeind eine Petition zum flächendeckenden öffentlichen Aussprühen von Chemie gegen Mücken ein, die der Ausschuss allerdings nicht annahm.

Noch 11 Monate bis Weihnachten..

… weil ich mir aber bis dahin nicht warten kann, angesichts des heutigen Datums folgendes nettes Gedicht von Erich Mühsam:

Heilige Nacht



Geboren ward zu Bethlehem

ein Kindlein aus dem Stamme Sem.

Und ist es auch schon lange her,

seit’s in der Krippe lag,

so freun sich doch die Menschen sehr

bis auf den heutigen Tag.

Minister und Agrarier,

Bourgeois und Proletarier ­

es feiert jeder Arier

zu gleicher Zeit und überall

die Christgeburt im Rindviehstall.

(Das Volk allein, dem es geschah,

das feiert lieber Chanukah.)

Mehr bei der Erich Mühsam-Gesellschaft. Wer Erich Mühsam war? Wikipedia hilft

Bitte beachten …

…es heißt „Scheißdeutsche“ und nicht etwa „Scheiß-Deutsche“. Warum? Mehr bei den kompetenten Genossen aus dem Bergmannkiez.