Archiv für November 2007

The Fuehrer’s Face

Sehr guter Cartoon von 1942.

via No Nazi-Blog

One Struggle – One Fight

Ein recht peinliches Plakat und ein etwas platter Aufruf, aber ein wichtiges Anliegen. Am 08.12.2008 gibt es also nicht nur die Klimademo sondern auch eine Demo zur Erhaltung von Hausprojekte, Treffpunkt „Rosenthaler Platz“ um 18:00:

Berlin, Ende 2007: Die Lage in der Stadt verschlechtert sich kontinuierlich. In dieser Stadt, die vor einigen Jahren noch eine SquaterInnen-Hochburg war, sind heute nur noch einige wenige Freiräume übrig geblieben. Hausprojekte, Wagenplätze, autonome Jugendclubs usw. verschwinden langsam – und oftmals fast ohne Widerstand – unter dem Druck des Staates, der kapitalistichen Verhältnisse und deren AkteurInnen.
Der Prozess, der Gentrification genannt wird, verändert schnell und gnadenlos ganze Bezirke, um Platz für Yuppies, InvestorInnen, alternative KünstlerInnen und andere Menschen, die sich in der Mainstream-Gesellschaft zu Hause fühlen, zu schaffen. Für selbstorganisierte, unkommerzielle und antiautoritäre Räume scheint bald kein Platz mehr zu sein.
Trotzdem gibt es immernoch vielerorts Zeichen von aktivem Widerstand. Spätestens seit den Riots letzten Dezember in Kopenhagen und durch den aktiven Kampf um das Ungdomshuset, ist in Deutschland – wie auch international – die etwas verschlafene Freiräumebewegung wieder in die Offensive gegangen. Neben der Tatsache, dass viele solidarische AktivistInnen von Deutschland nach Kopenhagen gereist sind, haben in mehr als 30 deutschen Städten Soli-Aktionen stattgefunden. Darunter 2 Aktionswochen in Berlin, wo wir mit einer grossen, kraftvollen und entschlossenen Demo die City gerockt und uns den öffentlichen Raum für unkontrollierbare, spontane und direkte Aktionen zurückerobert haben.
Rigaer94/Kadterschmiede, Köpi, Bethanien, Schwarzer Kanal, Liebig 14, Liebig 34/XB und Infoladen Daneben, Linienhöfe und die Brunnen183/Umsonstladen sind einige der Projekte die von Räumung bedroht sind: Nur durch eine aktive, entschlossene und solidarische Bewegung kann erreicht werden, dass diese Freiräume erhalten bleiben. Wir wollen weiter in die Offensive gehen, um für das Fortbestehen unserer Freiräume und die Schaffung neuer Räume zu kämpfen: Der Stadt wieder die Zähne zeigen und klar machen, dass jede Räumung ihren Preis hat!
Deshalb rufen wir für den 8.Dezember, knapp 1 Jahr nach dem „Final Battle“ in Kopenhagen, zu einer Demo auf, um den ruhigen Winterschlaf von InvestorInnen, Yuppies und StadtbauplanerInnen gemeinsam zu stören.
Ihr seid für diesen Zweck alle herzlich eingeladen nach Berlin zu kommen, um eurer Wut und Unzufriedenheit über die herrschenden Verhältnisse unmissverständlich Ausdruck zu verleihen.

Aktive Solidarität mit allen bedrohten autonomen Projekten – in Berlin und weltweit!
Autonome Freiräume erkämpfen und verteidigen!
Für autonome Freiräume und Selbstorganisation, gegen Herrschaft und Kapitalismus!

Hier gehts zur Infoseite.

Zur BDK von Bündnis 90/Die Grünen

Die Entscheidung gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen war mit 40% zu 60% leider sehr deutlich. Im Folgenden ein nunmehr 83 Jahre altes Gedicht von Kurt Tucholsky, gewidmet all jenen Delegierten, die gestern gegen ihre Grundeinkommens-Überzeugung stimmten, um keine Bild-Schlagzeilen zu produzieren oder um nicht den Bundesvorstand zu beschädigen:

Ruhe und Ordnung

Wenn Millionen arbeiten, ohne zu leben,
wenn Mütter den Kindern nur Milchwasser geben –
das ist Ordnung.
Wenn Werkleute rufen: »Laßt uns ans Licht!
Wer Arbeit stiehlt, der muß vors Gericht!«
Das ist Unordnung.

Wenn Tuberkulöse zur Drehbank rennen,
wenn dreizehn in einer Stube pennen –
das ist Ordnung.
Wenn einer ausbricht mit Gebrüll,
weil er sein Alter sichern will –
das ist Unordnung.

Wenn reiche Erben im schweizer Schnee
jubeln – und sommers am Comer See –
dann herrscht Ruhe.
Wenn Gefahr besteht, dass sich Dinge wandeln,
wenn verboten wird, mit dem Boden zu handeln –
dann herrscht Unordnung.

Die Hauptsache ist: Nicht auf Hungernde hören.
Die Hauptsache ist: Nicht das Straßenbild stören.
Nur nicht schrein.
Mit der Zeit wird das schon.
Alles bringt euch die Evolution.
So hats euer Volksvertreter entdeckt.
Seid ihr bis dahin alle verreckt?
So wird man auf euern Gräbern doch lesen:
sie sind immer ruhig und ordentlich gewesen.

Theobald Tiger
Die Weltbühne, 13.01.1925, Nr. 2, S. 68,
wieder in: Mona Lisa.

Nach: Textlog.de

„Schweigen ist nicht die Lösung“

Der Antisemitismus unter Jugendlichen hat seit dem 11. September zugenommen, sagt Aycan Demirel von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus. Dagegen setzt er auf Aufklärung.

Ein interessantes Interview mit Aycan Demirel aus heutigen taz. Erfreulich zu lesen, dass Menschen erkennen, dass die Welt auch in Kreuzberg und anderen tendenziell aufgeschloßeren Stadtteilen Berlins nicht in Ordnung ist.

Schweigen. Auch in Spanien tobt (wieder) eine Auseinandersetzung um die Geschichte. Konservative und auch die katholische Kirche verteidigen ihr franquistisches Erbe als „völlig normal und natürlich“. Mehr ebenfalls in der heutigen taz.

McLusky – To Hell With Good Intentions

Ein ganz besonderes Dokument. McLusky spielen in einer der üblichen Chartshows ihren Song „To Hell With Good Intentions“ vom Album „McLusky Do Dallas“. Fraglich, ob es den kreischenden Mädchen im Publikum tatsächlich gefällt, oder ob sie provisorisch vom Fernsehkanal unter Drogen gesetzt, im Delirium befindend, immer kreischen. Denn McLusky machen zwar gute Musik, für den Mainstream aber wohl kaum verdaulich und der Inbegriff eines Sexsymbols ist jeder der 3 Waliser für sich wohl auch nicht. Und so bleiben eine gute Perfomance, einiges an Fragen und etwas Wehmut über die, 2005 leider aufgelöste, Band.

Black Flag – Depression

Ein Klassiker des US-amerkanischen (Hardcore-)Punks. Passend zum Wetter, aber nicht zur Gemütslage.

„Antisemitismus in Teenie-Köpfen“

Jugendliche in Deutschland „wissen“ heute:

So sind über die Hälfe der Befragten der Meinung, dass Juden zu viel Einfluss auf das Weltgeschehen hätten. (…) Eines der verbreitetsten Stereotype sei das vom „reichen Juden“. Aber nicht allein das Klischee besorgt, sondern auch dessen Ursprung: Das habe man ihnen in der Schule so beigebracht, verteidigten sich die Jugendlichen. (…) Die Aussage „Die in Deutschland lebenden Juden sollten in allen Bereichen die gleichen Rechte haben wie die übrigen Deutschen“ lehnten über 20 Prozent ab.

Auf die Frage nachdem „Wieso“ gibt es folgenden Ansatz:

Die meisten Heranwachsenden hätten so wenig Kontakt zu jüdischen Altersgenossen, dass sie das Judentum nur über die Beschäftigung mit dem Holocaust kennenlernten. Juden seien in den Augen vieler vergleichbar mit einer nationalen Gruppe.

Die andere Antwort ist unangenehmer: antisemitisches Gedankengut hat nie aufgehört in den Köpfen eines nicht zu kleinen Teil der Bevölkerung zu existieren und pflanzt sich mit „Updates“ innerhalb der Generationen fort. Denn Otto- und Ronny-Normalverbraucher wissen neben oben genannten „Fakten“ heute ebenfalls ganz genau, dass „die“ Israelis jeden Tag Palästinenser umbringen und bilden mit gutem Gewissen Sätze die mit: „Was die Juden mit den Palästinensern machen….“ beginnen. Ob der empörte deutsche Nachrichtenkonsument jemals nachvollziehen kann, wie es ist, jeden Tag mit der Angst vor einem „palästinensischen Freiheitskämpfer“ Bus zu fahren; wie es ist, in Pizzerien und Restaurants zu sitzen, in dem noch vor 4 Jahren regelmäßig Bomben hochgingen; in einem Dorf zu leben, auf das regelmäßig Katuschja-Raketen niedergehen, ist fraglich. Die meisten Deutschen wollen von der Shoa nichts mehr hören, für sie ist jeder israelischen Militäreinsatz, ob legitim oder nicht, ein Beweis mehr, dass „die nicht besser sind als wir“.

Aufklärung tut da bitter not, der Einfluss von jüdischer Religion, Kultur und gerade jiddischer Sprache auf das Hochdeutsche, sollte mehr gewürdigt werden. Mindestens genauso wesentlich ist aber auch eine Beschäftigung mit dem Konflikt in Nahost, der über das übliche: „Die Israelis sind das Unglück der Palästinenser“ hinausgeht. Wer das verneint, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es besser ist, wenn künftige Relativierungssätze mit „Einer meiner besten Freunde ist Jude, aber…“ oder „Israel hat ein Recht auf Existenz, aber…“ beginnen.

Quelle: http://www.taz.de/nc/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=in&dig=2007%2F11%2F07%2Fa0099&src=GI&cHash=47103bf6b5