Archiv für Oktober 2007

Dialektik des Schweigens

Das Massaker von Rechnitz war lange ein verschwiegenes Verbrechen – doch gerade dadurch wurde der Ort berühmt. Rechnitz ist eine Metapher auf die Raison dêtre von Nachkriegsösterreich

Artikel im Internetangebot der taz

Höchstinteressanter Artikel von Robert Misik, erschienen in der taz am Dienstag.

Lesetipp: taz über linke Antisemit(inn)en

Linke Zombies bezeichnet man gemeinhin auch als Anti-ImperialistInnen. Einen höchst interessanten Beitrag über den Antisemitismus der RAF und deren Umfeld findet sich heute in der Wochenendausgabe der taz.

Dreißig Jahre Deutscher Herbst und die RAF: Diese Terroristen fühlten sich auch als Opfer – des deutschen „Judenknax“. Viele Linke haben sich diesen Blick zu eigen gemacht.

Bei aller Kritik habe doch die RAF Ziele verfolgt, die über jeden – linken – Zweifel erhaben seien. In diesen Tagen ist dies auch in dem Buch „Das Projekt sind wir“ von Karl-Heinz Dellwo nachzulesen. Dessen Sound mag für die heimliche oder unverhohlene Liebe von Hunderttausenden von Sympathisanten in jenen Jahren genommen werden: Die RAF sei doch ein Teil des antifaschistischen Kampfes gegen das sogenannte Schweigen der Vätergeneration über ihre Verstrickungen während des Nationalsozialismus gewesen, eine nötige Rebellion, bei der, nun ja, einige Menschen über die Klinge gesprungen seien.

Ebendiese Rede von den eigentlich guten Zwecken des linken Terrorismus ist ein Missverständnis. Umgekehrt kommt man der Wahrheit näher, gerade mit Blick auf das Verhältnis der RAF und ihrer KaderInnen zu Israel und zum Mord an den europäischen Juden: In seinem Antizionismus verwischte der Linksterrorismus der Siebziger- und Achtzigerjahre die Grenzen zur Leitideologie der Vätergeneration – dem Antisemitismus.

Den ganzen Artikel kann mensch im Onlineangebot der taz lesen.

Ratgeber: Was tun bei einer Zombieattacke?

Wunderbare Satire auf die allseits bekannten „Aufklärungsfilme“ aus den USA der 50er Jahre. Kein Atomkrieg, kein Gasangriff, viel mehr eine Zombieattacke gilt es zu überstehen. Immer schön die Tür abschließen.

Darauf kein Prost

Am 27. September 2007 gegen 16h kam ANDRES DAMIAN FLOREZ RODRIGUEZ, Sohn des Gewerkschaftssekretärs von SINALTRAINAL und Arbeiter in der Coca-Cola Abfüllanlage JOSE DOMINGO FLOREZ, von der Schule nach Hause, in die Cra 38ª No 204-102 im Stadtteil ANDES von Floridablanca Santander. Drei Individuen näherten sich ihm. Sie waren in einem schwarzen Jeep unterwegs, trugen Waffen, waren mit Funkgeräten ausgestattet und mit Sturmhauben maskiert. Gewaltsam zogen sie ihn hoch, warfen ihn auf die Ladefläche des Fahrzeuges und schlugen ihn. Während der Fahrt sagte einer der drei in das Funkgerät: „Wir haben den Hurensohn, was sollen wir mit ihm machen?“ und auf der anderen Seite wurde geantwortet: „Macht eine Spazierfahrt mit ihm, schmeisst ihn dann raus und gebt ihm die Botschaft.“ Der mit dem Funkgerät sagte: „Sag deinem Vater, dass wir nicht ruhen werden, bis ihr in kleine Stücke geschnitten seid.“ Dann warfen sie ihn in Palenque auf der Strasse nach Lebrija vom Fahrzeug.

Dieser neue Vorfall gegen Coca-Cola Arbeiter, die in SINALTRAINAL organisiert sind und ihre Familien kommt nach den Todesdrohungen die sich am 10. Februar, am 26. Juli am 9. August und am 20. und 25. September 2007 ereignet haben.

http://de.indymedia.org/2007/10/195820.shtml

Denkt einfach daran, wenn ihre eure nächste Coke trinkt, oder kauft ganz einfach was anderes.

StrikeBike: Utopie im kapitalistischen Normalbetrieb

Der „Sommer der Anarchie“ 1936 in Spanien gilt für viele AnarchistInnen immer noch als Fixpunkt. In vielen Fabriken übernahmen Kollektive die Leitung der Betriebe. In Zeiten des Wirtschaftskollapses in lateinamerikanischen Staaten in den 90er Jahren nahmen die MitarbeiterInnen, nachdem die Chefs die Fabriken verwaisen ließen oder schlossen einfach selbstverwaltet wieder auf. In Argentinien werden die Fabriken heute zum Teil staatlich gefördert, auch in Venezuela gibt es Förderung für die „bolivarischen Kollektive“. Inzwischen mischt „Bonsai-Ullbricht“ Chavez aber indirekt immer stärker in die Politik der Kollektive ein. Das nun ausgerechnet in Nordhausen in Thüringen die erste deutsche Firmenbesetzung in einem Fahrradbetrieb stattfindet, ist bemerkenswert und könnte für die anarcho-syndikatlistische Gewerkschaft FAU ein neuer Fixpunkt ihrer Geschichte werden.

Es klingt paradox: der niedrige gewerkschaftliche Organisationsgrad in einer DGB-Gewerkschaft war das Glück der Beschäftigen. Die IG Metall sprang auf die StrikeBike-Kampagne erst auf, als es kein Zurück mehr gab. Anders als die idealistischen und kämpferischen Anarchosyndikalisten, die mit einem Radspannerei aus Kreuzberg und dem Kollektiv Cafe Libertad die Kampagne gemeinsam mit der Belegschaft organisierte, hätte die IG Metall den Betrieb sicherlich „sozialverträglich“ mit abgewickelt. Das die FAU ein Fuß in die Tür bekam, hängt eben auch mit diesem Fakt zusammen – die DGB-Gewerkschaften sind bekannt dafür, dass sie Konkurrenz von links abdrängen, wie Telepolis (1) zu berichten weiß.

Nun produziert das Werk also 1800 Fahrräder, obwohl es mehr Bestellungen gab – Arbeit für drei Tage. Wie wird allerdings die Zukunft aussehen? Die ArbeiterInnen hoffen mit gutem Recht noch auf einen Investor, der ihnen aus der Klemme hilft. Sollte dieser nicht kommen: wenn die Solidarität anhält und die Menschen die Realisierung einer gesellschaftlichen Utopie auf kleinem Raum im kapitalistischen Normalbetrieb zu schätzen wissen, kann es vielleicht weiter gehen – ohne Investor.

(1) http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26324/1.html