Archiv für August 2007

Nützliche Idioten

Wie die Märkische Allgemeine in ihrer Lokalausgabe für Brandenburg/Havel berichtet, wollen die dortigen FDP und CDU-Fraktionen nach dem fehlgeschlagenen Brandanschlag auf Bundeswehrfahrzeuge nun Mittel vom Topf gegen Rechtsextremismus abzweigen und nun auch den „Linksextremismus“ in der Stadt bekämpfen. Nur gibt in Brandenburg/Havel eben so etwas nicht. Die vermeintlichen Mitglieder der „militanten gruppe“ die das Feuer legen wollten, kamen bekanntlich aus Berlin. Bei soviel Dummheit und Ignoranz fällt einem nicht mehr viel ein. Und so machen sich diese Parteien, (wieder) zu nützlichen Idioten für Nazi-Schläger und die NPD.

Bahnstreik

Bis 27.08 gibt es keine Bahnstreiks, darauf haben sich Bahn und GDL geeinigt. Das Bahnpersonal wird es freuen, müssen sich doch nicht mehr mit doofen Fahrgästen herumschlagen:

„Für alle unsere Fahrgäste, die nicht lesen können – da steht ,Nicht einsteigen’“ schnauzt es barsch aus den Lautsprechern.

Quelle: Märkisches Käseblatt Märkische Allgemeine

Bei der Titanic ist man hingegen etwas frustriert und hat schon beim ursprünglichen Streikverbot Maßnahmen gefordert, die „Streikähnliche Verhältnisse“ herbeiführen, denn man hatte sich ja so aufs zu Hause bleiben gefreut:

  • Am Bahnsteig: Lange Abschiedsküsse, Tür dabei offenhalten; mit ganz viel Gepäck einsteigen, sich für jedes einzelne Gepäckstück der Hilfe älterer, gebrechlicher Mitbürger versichern; den Zugbegleitern die Pfeife entwenden und auf die Gleise werfen
  • Im Abteil: Mit den Mitreisenden Lieder einüben („Alle Räder stehen still / Wenn dein starker Arm es will“), dabei vielsagend auf die Notbremse deuten
  • Am Bahndamm: Sich als spielendes Kind verkleiden, neben den Gleisen herumtollen

Titanic: Bahnstreik verboten

„Zwei Kamele lachten mich aus“

Funny van Dannen hören ist ja bekanntlich gelebter Wissensvorsprung, schließlich werden die schlechten Adaptionen von Funny van Dannen Songs durch die Toten Hosen regelmäßig Hits. Auch hier kündigt sich mit „Mütter“ ein Song an, der bestimmt demnächst durch die DTH verwurstet wird. Ansonsten gibt es die gewohnt gute Mischung aus Songs über sprechende Tiere, wie z.B. einem Geier der sein Leben ändern und auf Aas verzichten will, oder Kamelen die einen Betrunkenen in die Wüste schicken, politischen Songs, die wie „Integrieren“ oder „Genug gute Menschen“ sich kritisch und ironisch mit der menschlichen Entwicklung geprägt von politischen Meinungen auseinandersetzen und Personenportäts. Ob nun Hans-Georg, Linda, die Doppelgängerin von Ellen Arnold oder Tanja Schmidt – sie alle haben ihre Probleme und alle sind auf der Suche. Funny van Dannen setzt in einigen Songs erstmals eine verzerrte E-Gitarre ein, die auf den letzten Alben ja etwas verloren gegangen ist. Dafür meidet er die Mundharmonika – es gibt schlimmeres. Bei 24 Songs hält sich die Anzahl der schwächeren Songs („Moderne Liebe“, „Schornsteinfeger“) in Grenzen, aber selbst die werden durch Songs wie „Prager Gurken“ wett gemacht. Auch ein Booklet gibt es wieder. Voll mit Gedichten und selbstgezeichneten Bildern. Insgesamt kann also durchaus eine Empfehlung ausgesprochen werden.

Funny van Dannen – Trotzdem Danke, JKP/Warner Music Group (durch das Erscheinen bei dem Toten Hosen-Label JKP leider mit Majorvertrieb)

Zitat des Tages (IV)

„‚Erfolgreiche Geschäftsleute und Psychopathen haben gemeinsame Persönlichkeitsmerkmale‘ , unter anderem Mangel an Empathie, Starrsinn, Ordnungswahn und diktatorische Tendenzen, stellte die Psychologin Belinda Brod fest.“

aus Wiedergeboren, um zu sterben von Jörn Schulz, erschienen in Jungle World 31/2007

Castorfeeling im Sommer

Im Auftrag von Vattenfall transportierte ein Unternehmen einen Austauschtransformator von Brunnsbüttel nach Krümmel. Das Binnenschiff wurde von Robin Wood-AktivistInnen aufgehalten, die sich von einer Brücke vor dem Hafen mit dem Transparent „AKW Krümmel stilllegen, statt flicken“ abseilten, sowie anderen AktivistInnen, die die Schleuse blockierten. Das Schiff konnte deswegen erst einmal nicht weiter fahren. Nachdem die AkvistInnen die Blockade am Donnerstag in den Morgenstunden aufgaben, hätte es weiter gehen können. Das der Reaktor immer noch im Hafen steht, ist nicht den BlockierInnen zu verdanken, sondern viel mehr dem Fakt, dass der LKW einen Schaden an einer Achse hat. Es bleibt also spannend. Aktuelle Informationen erhält man über Contratom

Weiterlesen:

Haaretz über die antideutsche Presselandschaft

Wer sich in so manchen linken Kreisen mit Israel solidarisch erklärt, oder sich gar als AntideutscheR outet, hat manchmal ein Problem. In Magdeburg greifen anti-imperialistische Antifagruppen inzwischen auch zu Gewalt, um kritische pro-zionistische Gruppen zum Schweigen zu bringen. Die Antideutsche bzw. pro-israelische Linke ist in Europa ein Unikat. Im Haaretz erschien nun ein Artikel über die antideutsche Presselandschaft, der nun hier zum Lesen empfohlen sein soll.

Gefunden durch Planet Hop

Ich höre auch…

..viel Deutschlandfunk in letzter Zeit“ so heißt in einem Song der „Goldenen Zitronen“ von ihrem letzten Album „Lenin“. Ich bin inzwischen auch so weit: seit ein paar Tagen läuft bei mir das „Journal vor Mitternacht“. Keine 30-Sekundenschnippselbeiträge, vielmehr ausführliche Beiträge zu den Themen des Tages. Ist Deutschlandfunk hören nun reaktionär? Nein: denn „Staatsfeinde hören das nun mal“ so Ted Gaier im letzten Jahr zur allseits geschätzten Jungle World.

In diesem Zusammenhang sei noch mal auf ein Interview mit Funny van Dannen im Deutschlandfunk verwiesen – mit interessanten Sätzen zum Thema „Warum Bahn fahren nicht für Sozialstudien eignen“. Ab morgen gibt es auch sein neues Album „Trotzdem, danke“. Näheres dazu dann demnächst.

Bild des Tages (I)

Politische Gefangene

Das Bild überzeugt wegen der Gestaltung von Licht und Schatten. Der grafische Inhalt ist beleuchtet und bildet ein guten Kontrast zu der teilweise in Schatten gehaltenen politischen Botschaft – hier sticht das für die Botschaft wichtige Wort „Freiheit“ heraus. Entstanden ist es im Zusammenhang mit den Razzien & Festnahmen bzgl. „militante gruppe“

- Bildquelle: Indymedia – Gipfelsoli Infogruppe, (((i))))
- Lizenz: Creative Commons

Maltonade, Plus und Starbucks

Plus hat für einen Discounter ein ganz vernünftiges Bioangebot. Und Plus will jetzt auch vom Bionadeboom profitieren – der inzwischen ja soweit fortgeschritten ist, das selbst Kommerzkinos wie das UCI das Getränk bei einer entsprechend hohen Gewinnspanne anbieten – mit „Maltonade“. Die sieht fast so aus, soll aber nach taz nicht so schmecken. Ob die Hersteller von Bionade Plus deswegen schon im Visier haben, weiß ich nicht. Zumindest weiß ich aber, dass Plus im Visier der anarchistischen Gewerkschaft FAU steht, nachdem sie eine junge Mutter entlassen hatte, die ihr zustehende Rechte einforderte.
Auch Starbucks erlebt ähnliches, seitdem sie ArbeiterInnen der „Starbucks Workers Union“ vor die Tür gesetzt hat:

Das „grüne“ Image dieses Ladens täuscht über die Missstände hinweg:

  • Der Lohn in den Starbucks-Filialen der USA beträgt gerade mal 6 bis 8 Dollar (4,50 € bis 6,20 €)
  • MitarbeiterInnen bekommen keine feste Anzahl von Wochenarbeitsstunden zugesichert.
  • Starbucks zahlt weniger MitarbeiterInnen eine Krankenversicherung als Wal-Mart, die für ihre schlechte Zahlungsmoral berüchtigt sind.

Seit einigen Jahren nun haben die MitarbeiterInnen in den Filialen begonnen, sich gewerkschaftlich zu organisieren, um ihre Ansprüche gegen ihren Arbeitgeber durchsetzen zu können. Besonders aktiv dabei sind unsere GenossInnen der IWW (Industrial Workers of the World).
Der Konzern erklärt sich gerne „frei von Gewerkschaften“. Innerhalb eines Jahres sind schon fünf GewerkschafterInnen aufgrund ihrer Aktivitäten entlassen worden: Joseph Agins, Charles Fostrom, Evan Winterscheidt, Daniel Gross und Isis Saenz. Starbucks tritt die Rechte seiner MitarbeiterInnen mit Füßen!

Deshalb:

  • Geht nicht zu Starbucks, bis der Konzern das Recht der ArbeiterInnen auf gewerkschaftliche Organisation respektiert!
  • Die entlassenen IWW-Mitglieder müssen wieder eingestellt werden!

An die MitarbeiterInnen von Starbucks: Organisiert euch! Schließt euch wie die KollegInnen in der USA zusammen (z.B. in Gewerkschaften).

nach: Indymedia

Im Fall der spanischen Plus-Angestellten gab ihr ein spanisches Arbeitsgericht recht. Doch trotzdem ist der internationalistische Ansatz der FAU bemerkenswert, ihre Ziele in Endkonsequenz muss man ja nicht befürworten, um das anzuerkennen, während ver.di und Konsorten nicht mal Gedanklich über nationale Grenzen hinweg kommen, zeigt ein kleine anarchistische Gewerkschaft, dass das durchaus gehen kann.

Zitat des Tages (III)

„Sie sperrten sie ein bei Wasser und Harry-Brot“

aus Funny van Dannens Buch „Zurück im Paradies“