Archiv für August 2007

Waren gut, haben sich trotzdem getrennt (I)

Eine neue Serie. Hier (und folgend) sollen Bands vorgestellt werden, die ziemlich gut waren, sich aber aufgelöst und somit eine Lücke hinterlassen haben. Heute: Zen Guerilla mit einem eigenen Song und einer Coverversion vom Rolling Stones Song „Empty Heart“

Ohne Worte

Zitat des Tages (VI)

„Der Vorfall wird damit wieder, wie von CDU bis Linkspartei, auf die bloße Frage “Nazi oder Nicht-Nazi” heruntergebrochen – als ob nicht auch CDU-Wähler (der volksgemeinschaftliche Kern) oder Rico Normalverbraucher aus der 12. Klasse des Gymnasiums Mügeln für solche Volksbelustigung zu gewinnen wäre. Wir erinnern uns: ‚vom Punk bis zum Skinhead waren alle dabei‘.“

aus „Gegen Mügeln und Mitte“ von waiting.blogsport.de

Leseempfehlung: Gardelegen

Wie der Alltag in der ostdeutschen Kleinstadt Gardelegen in Sachsen-Anhalt aussieht, dokumentiert folgender Beitrag. Darin wird die Diskussion um die Mahn- und Gedenkstätte, eine Naziattacke bei einem Stadtfest, die skandalösen Äußerungen eines unmotivierten Polizeibeamten vor Ort und der Versuch, dies über Lokalzeitungen öffentlich zu machen, beleuchtet. Der vorliegende Artikel soll aufzeigen, wie gefährlich der Alltag für alternative oder gar antifaschistische Menschen in der Provinz ist. Fehlende Anonymität von AktivistInnen, Politikverdrossenheit oder Sympathien für faschistisches Gedankengut in breiten Bevölkerungsschichten und Angst durch gezielte Übergriffe in SA-Manier machen antifaschistische Arbeit beinahe unmöglich.

Kompletter Artikel bei Indymedia

Vertreibungen in Chiapas

ezln
Foto: Xanti Revueltas -rebelArte-

Am vergangenen Samstag ging ein großes Polizeiaufgebot gegen indigene Gemeinden im lakandonischen Urwald wegen angeblichen „Umweltdelikten“ und „Raub“ vor. Die eigentliche Motivation der Vertreibung der einheimischen Bevölkerung scheint anders zu liegen. Laut EZLN will die Regierung das Land an (trans)nationale Unternehmen veräußern. Zur Zeit befinden sich 33 Personen unter Aufsicht der Staatspolizei, hauptsächlich Frauen und Kinder, die nicht über das Vorgehen informiert wurden, noch die Gründe kennen. Ähnliche Aktionen der Regierung sind laut Kommunique der EZLN auch in anderen Gemeinden zu erwarten. Dieses endet folgendermaßen:

Aus diesem Grund sagen wir, was wir schon immer sagen und weiterhin sagen werden: Das Land gehört denen, die es bearbeiten und die es nicht wie eine Ware verkaufen.

Für uns, die wir das Land bestellen, ist die Erde unsere Mutter, weil wir auf ihr leben und weil sie uns ernährt. Deshalb haben unsere vertriebenen und verhafteten Brüder und Schwestern keinerlei Schuld. Wir fordern daher ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.

Einstweilen: Indigener Widerstand ist der beste Umweltschutz.

Quelle: Indymedia

Zitat des Tages (V)

Und eine ältere Dame ergänzt: „Ein netter und auch schöner Mann. Ich würd ihn nehmen, wenn er nicht schon zwei Frauen hätte.“

aus taz – 20.08.07, Seehofer bei Nazi-Gegnern

Sonntagsreden

Nazis als „Fußballfans“ sind ein Problem, dass sich nicht weg diskutieren lässt und dem DFB-Funktionäre gerne mit Sonntagsreden „begegnen“. Nachdem eine Horde Nazis am Spielfeld ohne Einschreiten des Schiedsrichter oder anderer Verantwortlicher antisemitische Parolen bei einem Spiel in Berliner Kreisliga B zwischen dem Verein VGS Altglienicke und dem jüdischen Fußballverein TuS Makkabi grölten, begann eine Groteske, an deren Ende der Vereinsprädident von TuS Makkabi nicht unberechtigt fragt, ob die Behandlung dem Verein nur widerfuhr, weil er jüdische Wurzeln habe. Die gesamte Geschichte lässt sich bei Lizas Welt nachlesen.

Creative Commons Musik

Legal Musik im Internet downloaden muss nicht heißen, sich DRM-kastrierte Dateien zu laden, sondern kann auch positive Seiten haben. Jamendo zählt dazu. Hier wird Musik, die unter Creative Commons steht, sowohl zum Anhören über einen Javascript-Player als auch zum Download über Torrent oder E-Mule-Dateien angeboten.

Folgend die Empfehlungen des Tages:
Guarapita – Si hay! (Punk mit Ska-Einflüssen)
Margin of Safety – Gonzo Jazz (Jazz)
Nonsense – Burning Inside (Hardcore-Punk)
Nosebone inc. – Pendus haut et court (Ska mit Punk-Einflüssen)

Filmtipp: Table Bed Chair

Der Film „Table Bed Chair“ berichtet über die HausbesetzerInnen-Szene in Amsterdam. Er lässt Akteure über die Gründe von Hausbesetzungen sprechen und geht kurz auf die Geschichte der Bewegung ein. Zudem wird eine Hausbesetzung und eine Räumung in Amsterdam gezeigt. Eine sehr interessante und gut gemachte Doku.

Der Film steht unter der Creative Commons-Lizenz und befindet sich auf den Servern der Seite video.squat.net zum Download (dort zu finden unter dem Namen www.table-bed-chair.tk; in den Dateiformaten ogg, avi oder gleich als iso für die DVD)

Große Alben – The Shape Of Punk To Come

Hätten sich Refused nach ihrem Album „Songs to Fan the Flames of Discontent“ aufgelöst, sie wären wohl als gute und hochpolitische Hardcore-Band aus der nordschwedischen Stadt Umea in Erinnerung geblieben, die mit „Rather Be Dead“ einen Song geschrieben hatten, der nah daran war, das Prädikat „Klassiker“ zu erhalten. Mit „The Shape Of Punk To Come“ sind sie aber zur Legende geworden.


Refused – Rather Be Dead, Live in Umea, 1997

So radikal wie ihre politischen Ansichten, war aber auch der der Stilwechsel, den Refused mit „The Shape Of Punk To Come“ vollzogen. Patrick T. Daly durfte eine Art Vorwort im Booklet verfassen und bereitet den/die HörerIn darauf vor, dass er/sie eben nicht ein Standard-Refused Album in den Händen hält.

„What are they doing?“ might be a question that is asked after the first spin of this record (…) While the past albums there were the hints of revolution, embedded in the lyrics and layout, in this album, the entire product conveys this suggestion of revolution.

Und tatsächlich: Jede Band, die meint Punk oder Harcore neu erfunden zu haben, muss sich unweigerlich mit Refused und „The Shape Of Punk To Come“ messen lassen – die meisten werden spätestens dann scheitern.

New Noise – Halber Überhit

Der Hit des Albums ist zweifelsfrei „New Noise“. Der Song selbst entfaltet sich aber nicht als singulärer Song, so wie er auf MTV in Heacy Rotation lief, sondern vor allem eingebettet im Album. Ihm voran geht das Instrumental „Bruitist Pome #5″, dass nahtlos in den Song übergeht, und dessen Elemente in „New Noise“ in den elektronischen Parts zu Beginn wieder aufgenommen werden. „New Noise“ endet damit, dass sich Lyxzen beim imaginären Publikum bedankt. Dieses Live-Element wird im nachfolgenden „Refused Party Program“ wieder aufgenommen, da es mit einer Ansage beginnt. Die mit einem Satz endet, den selbst Lyxzens Nachfolgeprojekt „The International Noise Conspiracy“ noch gerne nutzt: „Capitalism is indeed organized crime and we are all the victims.“ Zur Populärität von „New Noise“ mag auch das großartige Musikvideo beigetragen haben.


Refused – New Noise

Wenig beachtet – David Sandström

Wie so oft steht bei Bands der/die SängerIn im Vordergrund, bei Refused mag das sich noch verstärken, weil sie mit Dennis Lyxzen ja auch keinen Frontmann haben, der sich sonderlich zurück nehmen würde. Was würde übrig bleiben von am ehesten als klassisch zu bezeichnen Hardcore-Songs wie „The Deadly Rhythm“ wen nicht David Sandström sie entsprechend gut spielen würde? Gleiches gilt insbesondere auch für den Song „The Shape of Punk to Come“. Bei einer Bewertung der musikalischen Leistung muss vor allem auch David Sandströms Leistung stärker beachtet und bedacht werden.


Refused – The Deadly Rhythm, Live in Irland 1998

Songs für die radikale globalisierungskritische Bewegung

Das Jahr 1999 steht symbolisch für das Jahr, in dem die globalisierungskritische Bewegung auf die Bühne trat. Mit „Worms of Senses/Faculties of Skull“ haben Refused den Song geliefert, der all das ausdrückt was zumindest der radikale Teil der Bewegung will. Im ersten Teil („Worms of Sense“ wird im Booklet konsequenterweise als Song 0 gesehen) thematisieren sie das Verhältnis zur Arbeit. Der zweite Teil wartet mit dem Bild auf: „I took the first bus out of Coca-Cola city“. Dieses sprachliche Bild ist deswegen interessant, weil man es zweierlei deuten kann. Einerseits als Markenkritik, andererseits als Absage an den Kapitalismus, denn so heißt es im Booklet erklärend:

Their products are death and they are the salesman of corruption and power abuse. (…) They are the machine that must be stopped


Refused – Worms of Senses/Faculties of Skull, Live in Irland 1998

Was macht das Album besonders?

Radikale linke Lyrics an sich sind im Punk eigentlich ja keine Seltenheit. Auch im deutschen Raum gibt es genügend Beispiele dafür. Entscheidend aber ist, wie Refused ihre Ansichten auf „The Shape Of Punk To Come“ transportieren. Sie fordern vom Hörer eben tatsächlich die Lösung von alten Punk-Cliches, eine Revolution in sich selbst. Denn nur wer sich mental öffnet, kann die Welt verändern. Man muss sich nicht zwangsweise mit jeglichen textlichen Inhalt identifizieren, an so mancher Stelle ist da durchaus auch Kritik angebracht. Das künstlerische Ziel eine kritische Öffentlichkeit zu erzeugen, dürfte man teilen, ob man nun KommunistIn, SozialistIn, SozialdemokratIn (na gut), AnarchistIn oder GrüneR ist. „The Shape Of Punk To Come“ sollte als das „Keine Macht für Niemand“ einer neuen linken Generation gesehen werden und entsprechend wieder eine größere Rolle spielen.

Noch eine Anmerkung zum Schluss: die Livesongs bieten nur einen ungefähren Eindruck. Da sich die Songs nicht immer komplett in ihrer Komplexität umsetzen lassen können, fehlen z.B. die angesprochenen elektronischen Elemente