Archiv für Juni 2007

„Deutschlands ungeliebte Klimaschützer“

Der neuste Werbegag der Atomlobby „Deutschlands ungebliebte Klimaschützer“ zeigt u.a. das AKW Brunsbüttel und eine grüne Wiese. Davor weiden Kühe. Der ungeliebte Klimaschützer macht nun wieder von sich reden, denn seit gerstern brennt es im AKW Krümmel. Inzwischen schließt selbst der, für seine Desinformationskampagnen bekannte, Energiekonzern Vattenfall einen Zusammenhang mit dem, kurz vorher, wegen einem Kurzschluss vom Netz gegangenen AKW Brunsbüttel, nicht mehr aus, nachdem die Zusammenhänge erst bestritten wurden. Und wieder kocht eine völlig unnötige Sicherheitsdebatte hoch – dabei steht doch seit dem Super-GAU in Tschernobyl vor über 21 Jahren fest: es gibt keine sicheren AKWs.

Der Reaktor in Brunsbüttel ist seit gut 30 Jahren am Netz. Unfreiwillig bekannt wurde es durch eine Wasserstoffexplosion in einer Rohrleitung im Jahr 2001. Die Leitung war an den Reaktordruckbehälter angeschloßen. Die damalige Betreibergesellschaft e.ON interpretierte den schwerwiegenden Störfall als als „spontane Leckage“. Die Sache flog auf, weil die Daten für die zuständige Behörde nicht plausibel waren. Bei einer Begehung knapp drei Monate später, für die es auch erst eine formale Androhung brauchte, fand man besagtes expoldiertes Rohr vor. Nach Forschungen des BUM hätte der Unfall auch zu einer Kernschmelze führen können. Auch 2006 kam der Reaktor wieder unfreiwillig in die Schlagzeilen: nach dem Blindflug des Reaktors in Foersmark, ausgelöst durch nur zum Teil funktionierende Notstromaggregate, bemängelte die „Deutsche Umwelthilfe“, dass die Notstromversorgung des AKWs in Brunsbüttel noch schlechter sei, als die im besagten Reaktor. Selbstverständlich kommt Vattenfall diesbezüglich zu einem anderen Ergebnis und stellte gar einen Antrag auf Laufzeitverlängerung, den Umweltminister Gabriel allerdings ablehnend beschied.

Auch das AKW Krümmel ist kein unbekanntes: im Bereich um das Kraftwerk treten Leukämieerkrankungen gehäuft auf. Zusammenhänge konnten nie bewiesen, aber eben auch nie vollends ausgeschloßen werden. Als weitere Möglichkeit wird auch das GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht, dass einen Forschungsreaktor besitzt, auf dem 1986 zu einen Unfall bekommen ist, der von dem Zentrum allerdings bestritten wird, angesehen.

Wer nun also die sofortige und entgültige Abschaltung der AKW Brunsbüttel und Krümmel fordert, ist kein „Panikmacher“, sondern zieht einen völlig richtigen Schluss aus Altbekanntem.

Update (21:54): Nach Angaben des TÜV Norden, gab es in Brunsbüttel wohl ein Schwelbrand in einer Turbine. Allerdings hat, laut ersten TÜV-Untersuchungen – keine Gefahr für den Reaktor bestanden (mehr bei Reuters)